Eilmeldung

Eilmeldung

Boykottdrohungen wegen US-Deal mit Taiwan

Sie lesen gerade:

Boykottdrohungen wegen US-Deal mit Taiwan

Schriftgrösse Aa Aa

Im Streit um milliardenschwere Waffenverkäufe der USA an Taiwan kochen die chinesischen Gemüter hoch. Die staatlich kontrollierten Medien spekulieren über mögliche Sanktionen gegen beteiligte US-Firmen, während die Staats- und Parteiführung weiter schweigt. Boykotte könnten auch den Flugzeugriesen Boeing treffen. Davon würde der europäische Konkurrent Airbus profitieren.

Befragte auf den Straßen Pekings unterstützen die Linie ihrer Medien, ein Mann sagt: “Das sind amerikanische Firmen, also sollten wir Sanktionen gegen sie verhängen. Sonst werden sie weiter Waffen für Taiwan produzieren. Wir Chinesen sind gegen ein Amerika, dass nicht tut, was es sagt!” Ein anderer fordert: “Die Regierung sollte in dieser Sache noch stärker auftreten. Wir müssen US-Waffenverkäufe nach Taiwan verhindern und unsere eigene Armee noch schneller aufrüsten!”

Raketen, Raketenabwehrsysteme, Dutzende Kampfhubschrauber, im Gesamtwert von viereinhalb Milliarden Euro. Vor 30 Jahren haben sich die USA zur Verteidigungshilfe gegenüber Taiwan verpflichtet. Anerkannt haben sie die Inselrepublik nicht. Sie wird von China weiter als Teil seines Territoriums beansprucht.

“Militärisch bedeutsam sind die US-Waffenverkäufe an Taiwan nicht”, sagt Jin Canrong, Experte für Internationale Studien an der Pekinger Universität. Die Volksarmee könne Taiwan auch jetzt schon zerstören. Der Deal aber sei rechtswidrig.

Eine neue diplomatische Eiszeit – wie zuletzt nach ähnlichen Verkäufen der Bush-Regierung im Jahr 2008 – kann sich Washington nicht leisten. Es ist – ungeachtet aller jüngsten Differenzen um Google und Grundrechte – auf Unterstützung seines größten Geldgebers angewiesen, vor allem in den Atomkonflikten mit Iran und Nordkorea.