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Gericht befasst sich mit Concorde-Unglück

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Gericht befasst sich mit Concorde-Unglück

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Zehn Jahre nach dem Absturz einer Concorde hat am Dienstag in Pontoise bei Paris der Prozess gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen begonnen. Am 25. Juli 2000 war die Maschine kurz nach dem Start auf ein Hotel in einem Pariser Vorort gestürzt. Dabei starben 113 Menschen: alle Passagiere und Crewmitglieder sowie vier Hotelangestellte.

Das Gericht wird in den nächsten Monaten die Hintergründe des Unglücks untersuchen. In dem Verfahren, in dem Air France als Zivilklägerin auftritt, werden ehemalige Mitarbeiter der französischen Luftfahrtbehörde und des Concorde-Herstellers Aérospatiale beschuldigt, nicht vor Risiken gewarnt zu haben. Angeklagt ist auch die US-Fluglinie Continental, und zwar wegen fahrlässiger Tötung, aber selbst der Anwalt von Air France, Fernand Garnault, rechnet nicht mit einem harten Urteil: “Die Continental-Mitarbeiter haben willentlich nichts falsch gemacht. Aber Continental ist verantwortlich und sollte zu einer Geldstrafe verurteilt werden.”

Laut dem offiziellen Abschlussbericht der französischen Ermittler wurde das Unglück von einer Lamelle aus Titan ausgelöst, die eine Continental-Maschine auf der Startbahn verloren hatte. Als die Concorde das Metallteil überfuhr, zerfetzte dieses einen Reifen der Maschine. Ein herumfliegendes Hartgummistück beschädigte den Tank und das auslaufende Kerosin löste schließlich die Explosion aus. Aber es gibt Zweifel an dieser Version, auch beim Pariser Staranwalt Olivier Metzner, der Continental vertritt. “Ich bezweifle die Unabhängigkeit der französischen Ermittler”, erklärte Metzner zu Prozessbeginn. “Ich bezweifle die Aufrichtigkeit von Air France. Die Wahrheit sollte vertuscht werden. Denn es ist ganz offensichtlich, dass die Concorde damals nie die Starterlaubnis hätte erhalten dürfen.” Laut Metzner fing die Concorde schon Feuer, bevor sie das Metallteil überfuhr, weil man bei Air France ein defektes Fahrwerkelement nicht ersetzt habe. Tatsächlich war bekannt, dass die Concorde öfter Probleme mit den Reifen hatte – dokumentiert sind rund 80 derartige Vorfälle.

Für die Hinterbliebenen hat das Gerichtsverfahren keine direkte Bedeutung. Rund 700 von ihnen hatten sich bereits kurz nach der Katastrophe mit Air France auf Entschädigungszahlungen geeinigt. Einige französische Angehörige der Opfer treten vor Gericht als Nebenkläger auf. Ein Urteil wird erst im Herbst erwartet.