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Ukraine: Vor Präsidentschafts-Stichwahl wachsen die Spannungen

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Ukraine: Vor Präsidentschafts-Stichwahl wachsen die Spannungen

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Zwei Tage vor der Präsidenten-Stichwahl in der Ukraine haben beide Kandidaten noch einmal ihre Anhänger versammelt. Die charismatische Regierungschefin Julia Timoschenko lag im ersten Wahlgang nur auf Platz zwei. Sie drohte bereits mit Massenprotesten, sollte sie die Wahl nicht gewinnen. Ihr Hauptziel: Sie will die Ukraine bis 2015 in die EU führen.

Ihr Konkurrent, Oppositionsführer Viktor Janukowitsch, hat seine Unterstützer eher im russischsprachigen Osten des Landes. Bei einem Wahlsieg will er Russisch wieder als zweite Amtssprache einführen. Bei den Präsidentschaftswahlen 2004 unterlag Janukowitsch den Anführern der Orangenen Revolution. Diesmal hat er allerdings gute Chancen auf einen Wahlsieg. Seine Anhänger versammelten sich vor dem Gebäude der Wahlkommission in Kiew. Sie planen nach der Wahl eine Großkundgebung.

Die meisten Ukrainer wissen schon definitiv, wem sie ihre Stimme geben wollen. “Ich glaube, ich werde für Viktor Janukowitsch stimmen”, sagte eine junge Passantin in Kiew. “Wir haben Julia Timoschenko als Regierungschefin erlebt und unser Leben ist nicht besser geworden.” Eine ältere Frau hingegen ist für Julia Timoschenko: “Ich werde sie wählen. Ich mag sie als Frau und ich denke, sie ist eine sehr kluge Frau.

Eine reine Weste haben beide Kandidaten nicht. Timoschenko soll in den neunziger Jahren russische Militärs bestochen haben, Janukowitsch verbüsste in seiner Jugend eine Haftstrafe wegen Raubüberfalls. Für zusätzliche Irritation sorgte eine Änderung des Wahlgesetzes, die Janukowitschs Partei durchgesetzt hatte, die aber nach Meinung von Beobachtern noch Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen sein wird. Außerdem, so heißt es, wolle sich der derzeitige Präsident Viktor Juschtschenko, der die Änderung unterzeichnete, damit seinen Verbleib im Amt so lang wie möglich sichern.