Eilmeldung

Eilmeldung

Wie bringt man Ordnung in die Mogelpackung "griechische Wirtschaft"?

Sie lesen gerade:

Wie bringt man Ordnung in die Mogelpackung "griechische Wirtschaft"?

Schriftgrösse Aa Aa

In Athen ist an diesem Mittwoch für die Beamten Streiktag. Was in Deutschland undenkbar wäre – in Griechenland aber auch in Frankreich ist es üblich: zum Privileg des lebenslang sicheren Arbeitsplatzes bekommen die Beamten auch noch das Streikrecht.

Laut Umfragen erkennt nur jeder sechste Grieche die aktuellen Sparmaßnahmen als notwendig an.
Die haben das Ziel, die gewaltige Schuldenlast von 300 Milliarden Euro abzubauen. 40 Prozent dieser Summe braucht der Staat allein für Gehälter und Pensionen. Darum soll – wie in anderen Ländern auch – das Rentenalter angehoben werden. Und zwar real! Denn kaum eine Frau arbeitet heute wirklich bis 60, kaum ein Mann bis 65.

Vorruhestand ist normal. Durch Bündelung verschiedener Vorteile braucht z.B. eine allein-erziehende Mutter nur 15 Arbeitsjahre für die volle Rente. Das 11-Millionen-Volk der Griechen leistet sich 700.000 Beamte – im Klartext: in Drittel der abhängig Beschäftigten bezieht sein Gehalt vom Staat. Diese Gehälter machen 11,8 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt aus. Also heisst Sparen auf Griechisch zunächst: 10 Prozent weniger Prämien und 30 Prozent weniger bezahlte Überstunden.

Und vor allem – Schluß mit der Mogelei als Volkssport. Derzeit zahlt kaum jemand Mehrwertsteuer, Schwarzarbeit ist an der Tagesordnung. Costas Bakouris, der Chef von “Transparency international” in Griechenland beklagt:
“Wenn die Gesetze nicht klar genug formuliert werden, sind es die daraus hervorgehenden Verantwortlichkeiten auch nicht. Die Bürokratie wuchert und die Leute finden Möglichkeiten, Regeln so auszulegen, dass Schmiergeld gezahlt wird.”

Besonders im Gesundheitswesen ist Bestechung an der Tagesordnung. Gezahlt wird für einen schnelleren Operations- oder Behandlungstermin, für gründlichere Untersuchung – da wuchert ein Korruptions-System nach der Devise “eine Hand wäscht die andere” .

Der deutsche Politologe Jens Bastian spricht von einem “uneffiktiven Staat, diskreditiert durch Korruption in Politik und Wirtschaft”, in dem der normale Ausgleich von Geben und Nehmen, bei dem der Bürger auch Steuerzahler ist, nicht mehr funktioniere.
Woran sollen sich die Bürger denn auch ein Beispiel nehmen, wenn ihre Regierung schon für die Einführung des Euro mit gefälschten Zahlen die EU-Partner betrogen hat?????