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Hariri will Vertrauen zu Syrien aufbauen

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Hariri will Vertrauen zu Syrien aufbauen

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Fünf Jahre sind seit dem Attentat auf den ehemaligen libanesischen Regierungschef Rafik Hariri vergangen. Nun hat euronews-Reporter Hussein Ibrahim in Beirut dessen Sohn Saad Harrir getroffen, den heutigen Regierungschef des Libanon.

euronews:
Einige libanesische Politiker arbeiten derzeit darauf hin, den langjährigen Religionskompromiss abzuschaffen, nach dem die vier obersten Posten im Lande jeweils einer bestimmten religiösen Gruppe vorbehalten sind. Halten Sie das für realistisch?

Saad Hariri: Es ist wohl bekannt, dass es rund um diesen Passus in der libanesischen Verfassung viel Streit gibt. Wir haben gerade durch die “Regierung der nationalen Einheit” eine großen Konflikt in den Griff bekommen, der für uns Priorität hatte. Nun können wir Probleme in Angriff nehmen, die mit dem Abkommen von Taef zusammenhängen.

euronews: Sie haben jüngst Syrien besucht – mit welchen Ergebnissen?

Saad Hariri: In den Beziehungen zu Syrien haben wir eine neues Kapitel aufgeschlagen. Wir haben das Vertrauen zwischen den beiden Ländern wieder hergestellt. Jedermann weiß, dass die Brücken in den letzten fünf Jahren abgebrochen waren. Jetzt haben wir neue Beziehungen auf Basis der beiderseitigen Interessen. Und diese Beziehungen werden auch in den Bereichen Wirtschaft, Handel und Sicherheit ihren Widerhall finden, ebenso wie bei der Neufestlegung der Grenzziehung, und zwar im Interesse beider Länder.

euronews: Was wird aus diesen Beziehungen, wenn Syrien vom internationalen Tribunal, das den Mord an Ihrem Vater aufklären soll, für schuldig befunden wird?

Saad Hariri: Das kann passieren. Wir werden die Entscheidung des Tribunals respektieren. Ich glaube nicht, dass ich jetzt erschöpfend auf die Frage antworten kann, was wie kommen könnte. Wichtig ist, was ich jetzt gesagt habe: Wir werden den Urteilsspruch respektieren.

euronews: Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hat gerade behauptet, dass die Hisbollah hinter dem Mord an Ihrem Vater steckt. Was halten Sie von dieser Anschuldigung?

Saad Hariri: Er sollte solche Anschuldigungen vor einem internationalen Gericht vortragen. Aber ich denke, angesichts der von Israel begangenen Massenmorde wäre es besser, er käme gleich ohne Gericht hinter Gitter.

euronews: Wir haben von israelischen Drohungen gehört, gegen Syrien und Libanon erneut Krieg zu führen. Wie ernst muss man das nehmen?

Saad Hariri: Wie nehmen solche Drohungen ernst. Aber das bedeutet nicht, dass ein Krieg vor der Tür steht. Wir sollten allerdings die internationale Gemeinschaft warnend darauf hinweisen, dass sie die israelischen Drohungen zur Kenntnis nehmen muss. Wir haben eine Reihe von Gesprächen mit arabischen Ländern geführt, die diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten, damit sie Druck auf Israel ausüben.

euronews: Haben sie dabei von Ländern wie Ägypten Zusicherungen erhalten?

Saad Hariri: Die meisten dieser Länder haben versprochen, dass sie ihre Bestes tun wollen, um Druck auf die israelische Regierung auszuüben. Und diese Anstrengungen werden fortgesetzt. Wir werden mit dem libanesischen Präsidenten Michel Suleiman zusammenarbeiten, um Israel abzuhalten, einen Krieg gegen unser Land zu wagen.

euronews: Glauben Sie nicht, dass eine bewaffnete Hisbollah schon als Rechtfertigung für einen Krieg ausreicht?

Saad Hariri: Während arabische Länder ihre Stimme für den Frieden erheben, spricht Israel über Krieg und verschärft die Rhetorik. Während Länder wie Libanon und Syrien ihren Willen zur Umsetzung der Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates bekunden, lehnt Israel Gespräche mit Syrien ab oder formuliert unannehmbare Vorbedingungen. Israel nimmt die arabischen Initiativen, die auf dem Grundsatz “Land für Frieden” basieren, nicht ernst. Also sagen sie mir jetzt: Wer lehnt den Frieden ab?

euronews: Könnten Sie sich vorstellen, dass Libanon eines Tages indirekt mit Israel verhandelt, etwa so wie Syrien durch türkische Vermittlung?

Saad Hariri: Wir glauben an die arabischen Initiativen…

euronews: Aber die arabische Initiative wird jedes Jahr aufs Neue vorgetragen. Glauben sie wirklich, das die noch eine Zukunft hat?

Saad Hariri: Ja, das tun wir. Als die Araber diese arabische Friedensinitiative 2002 in Beirut auf den Weg brachten, wurde diese auch von der “Islamischen Konferenz” angenommen. Wissen Sie, was das bedeutet? In der “Islamischen Konferenz” sind 70 islamische Länder mit mehr als einer Milliarde Menschen vereinigt, die sich sehr darum bemühen, Frieden zu erreichen. Also, wer lehnt nun den Frieden ab? Worin besteht die israelische Logik? Wo steht die internationale Gemeinschaft? Und was besagen die diesbezüglichen Vorschläge? Wenn Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ein politisches Dokument zur Zwei-Staaten-Lösung hätte, also einen Plan für Israel und Palästina mit Ostjerusalem als Palästinenserhauptstadt und einem Rückkehrrecht für Flüchtlinge in das 1967 okkupierte Land, dann, das kann ich Ihnen versichern, könnte der innerpalästinensische Zwist überwunden werden. Abbas könnte dieses Dokument unterzeichnen und seinem Volk zur Volksabstimmung vorlegen. Ich bin sicher, er würde sie gewinnen. Aber wissen Sie, worin das wirkliche Problem besteht? Das Problem ist, das es keine israelische Regierung gibt, die fähig wäre, ein solches Dokument anzunehmen. Der Riss geht mitten durch Israel.