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Nach Zugunglück: Belgiens Lokführer streiken

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Nach Zugunglück: Belgiens Lokführer streiken

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Am Tag nach dem schweren Zugunglück mit 18 Toten wird in Belgien über die Sicherheit der Bahn diskutiert. Nach ersten Erkenntnissen hatte ein Lokführer bei Halle nahe Brüssel ein Haltesignal überfahren. Der Streckenabschnitt war mit einem automatischen Bremssystem ausgestattet. Einer der beiden Unglückzüge jedoch nicht.

Im belgischen Fernsehen erklärte der Chef des Netzbetreibers Infrabel, Luc Lallemand, bis 2013 solle das gesamte Streckenetz und alle Züge über dieses Sicherheitssystem verfügen. Dann die Frage: Wäre das Unglück verhindert worden, wenn auch der zweite Regionalzug mit dem System ausgestattet gewesen wäre?

Ein einfaches: “Ja!”, das ist es, was die Lokführer wütend macht. In mehreren Städten legten sie die Arbeit nieder, um gegen die ihrer Meinung nach schlechten Arbeits- und Sicherheitsbedingungen zu protestieren. Grund sei Personalmangel bei der Staatsbahn SNCB. Zahlreiche Züge fielen aus, zum Ärger der Pendler:
“Was uns aufregt, ist, das gestreikt wird”, sagt ein Mann am Brüsseler Zentralbahnhof Midi, “wir fragen uns, ob wir heute in Brüssel schlafen sollen oder wie wir nach Hause kommen. Aber wir verstehen auch, dass sie streiken, es geht um unsere Sicherheit und gleichzeitig auch um ihre. Es ist bedauerlich, dass es erst Tote geben muss, bevor sich etwas bewegt. Das ist eben Belgien, leider.”

Experten suchten in Buizingen bei Brüssel nach Spuren an den entgleisten Waggons. Frühestens morgen sollen die Aufräumarbeiten beginnen. Solange bleibt die sechsspurigen Strecke gesperrt, auch für den Schnellzug Thalys zwischen Brüssel und Paris. Der Eurostar nach London verkehrt nur ab Lille, dorthin gibt es Shuttlebusse, die aber nur wenigen Reisenden Platz bieten.