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Operation "Gemeinsam" in Afghanistan - zum Erfolg verurteilt

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Operation "Gemeinsam" in Afghanistan - zum Erfolg verurteilt

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Afghanische Soldaten rücken in die Hauptstadt der Provinz Helmand vor. Die Offensive, von der diese Bilder stammen, heisst “Gemeinsam”.
15.000 Mann afghanische Sicherheitskräfte zusammen mit den Truppen der westlichen Allianz, wobei erstmals ausdrücklich die Afghanen im eigenen Land in vorderster Reihe für Ordnung und Sicherheit sorgen sollen. Sie sollen den Weg frei machen für die eigenen Behörden, damit endlich die afganische Regierung hier das Sagen hat und nicht die Taliban. Es ist ein harter Kampf gegen zähen Widerstand.

Zum Hintergrund dieser Operation in der lange von den Taliban beherrschten Region sagt Professor Luc De Vos von der Belgischen Königlichen Militärakademie, wenn man den Taliban ihr Refugium wegnehme, dann müssten sie sich neu organisieren – und so etwas dauere seine Zeit.
Dieser Fakt spiele nach seiner Meinung eine wichtige Rolle. Ebenso wie das Opium in dieser Region.

Als die Taliban bis Ende 2001 das ganze Land beherrschten, verboten sie die Rauschgift-Pflanze.
Nun aber gibt es reichlich Hinweise darauf, dass sie damit ihre Kriegskassen füllen.
Auch wenn es den Regeln ihrer Religion widerspricht.

Der belgische Militärexperte verweist auf das Geld, was die Taliban von arabischen Staaten – zumeist aus der Golfregion – erhalten. Dabei gebe es seiner Meinung nach verschiedene Motive, zu zahlen, von ungeteilter Zustimmung zu den Talibanzielen bis zu taktischen Überlegungen. Und die Taliban verstünden es, dabei gewissermaßen Schutzgeld einzutreiben.

Für die NATO und ihre afganischen Verbündeten ist das hier so eine Art “letzte Schlacht”. Entweder sie gewinnen endlich – oder sie haben hier endgültig verloren. Und das wäre ja wohl der Anfang von Ende aller westlichen Bemühungen um eine Demokratisierung Afghanistans.

Auch der Militärexperte spricht vom “Kampf um die Herzen der Menschen”, die sich zwischen zwei Systemen zu entscheiden hätten, die beide nicht perfekt seien. Er meint, am Ende dürften die Leute das weniger schlechte wählen und das sei dann indirekt auch die weniger schlechte Wahl für uns im Westen. Man sei zum Erfolg verurteilt, wenn Afghanistan nicht wieder zum Gottesstaat werden solle.

Bis zu 150.000 Zivilisten sind vor Beginn der Offensive aus dem Kampfgebiet geflohen.
Solch Massenbewegungen bergen immer unkalkulierbare Risiken für die Fliehenden wie für die Militärs.