Eilmeldung

Eilmeldung

Beobachter: Türkische Offiziere zahlen den Preis

Sie lesen gerade:

Beobachter: Türkische Offiziere zahlen den Preis

Schriftgrösse Aa Aa

Noch nie wurden in der Türkei so viele Offiziere festgenommen wie derzeit, und noch nie so viele von so hohem Rang. Beobachter mit langjähriger Türkei-Erfahrung sagen, dass ein solcher Schlag noch vor einem Jahr unmöglich gewesen wäre. Euronews befragt dazu Andrew Finkel in Istanbul, der seit 21 Jahren dort lebt.

EN: Ist diese Entwicklung Teil des anhaltenden Ringens zwischen der AKP und den säkularen Kräften oder steckt mehr dahinter?

Finkel: Würde man den Generalstaatsanwalt fragen, so würde er von einem legitimen Vorgehen sprechen. Den Gerichten wurde eine große Zahl von Dokumenten präsentiert, aus denen hervorgeht, dass ranghohe Militärs zumindest an der Planung eines Staatsstreichs gegen die gewählte Regierung beteiligt waren.

EN: Und natürlich muss die Regierungspartei etwas gegen den angeblichen Putsch unternehmen, um den EU-Beitrittsantrag der Türkei voranzubringen?

Finkel: Gewiss ist eines der zahlreichen Hindernisse für den türkischen Antrag die Tatsache, dass das Militär im politischen Leben der Türkei immer eine privilegierte Stellung eingenommen hat. Es war die letzte Kontrollinstanz. Diese Festnahmen sind ein dramatisches Zeichen, dass dies vielleicht nicht mehr so ist.

EN: Ist dies ein Schritt, um das türkische Militär in innenpolitischer Hinsicht zu kastrieren, ihm nach vier Staatsstreichen seit 1960 die Flügel zu stutzen?

Finkel: Ganz bestimmt ist das so. Es hat ja nicht nur die vier Putsche gegeben, sondern das Militär hat in den vergangenen Jahren intensiv versucht, die derzeitige Regierung zu schwächen. Es hat Memoranden herausgegeben, auch im Internet, in denen es die Regierung kritisierte, und es hat versucht, Widerstand im Volk zu organisieren. Das Militär mag diese Regierung offenbar überhaupt nicht. Und hier setzt sich die Regierung zur Wehr und sagt: Wenn ihr Recht verletzt, werdet ihr dafür zahlen müssen. Ungewöhnlich sind nicht die Putschpläne, sondern dass Militärs dafür belangt werden.