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Katastrophe auf Madeira hausgemacht

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Katastrophe auf Madeira hausgemacht

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Madeira, die “Perle des Atlantik”, ist im Schlamm versunken, das ehemalige Rentnerparadies steht unter Wasser. Wohl waren die Regenfälle extrem – innerhalb von 11 Stunden fiel auf Madeira soviel Regen wie sonst in einem ganzen Monat. Dennoch ist die Katastrophe zum größten Teil hausgemacht. Denn um den Tourismus anzukurbeln, wurden für den Straßenbau viele kleinen Flüsse umgeleitet. Müll und Bauschutt kippte man oft einfach ins Wasser. Auf Druck der Immobilienbranche wurde Boden zubetoniert, Regenwasser kann nun nicht mehr abfließen. Das Ergebnis: Schon mittelstarke Regenfälle lösen eine Überschwemmung aus; starker Regen führt zur Katastrophe.

Die vor der marokkanischen Küste gelegene Insel ist nur 57 Kilometer lang und 22 Kilometer breit. Von den gut 250.000 Einwohnern leben allein hunderttausend in der Hauptstadt Funchal. Mit Schnellstraßen und Dutzenden von Tunneln wurde die Insel für den Tourismus erschlossen – allerdings ohne auf die Bedenken von Umweltschützern zu hören. Umweltexperte Helder Spinola beklagt denn auch, dass viele Bauten, darunter auch öffentliche Gebäude oder Straßen, in Risikozonen wie etwa an Flußufern errichtet wurden. Die Mahnungen der Fachleute schlug man dabei in den Wind.

Die Folgen sind dramatisch: Die nur noch schwach bewaldeten Hänge werden unterspült; das Wasser, dem kein Platz mehr gelassen wurde, bricht sich mit Gewalt Bahn. Für den Klimatologen Filipe Duarte Santos ist das alles freilich wenig überraschend. Der Mensch habe zu viele Fehler gemacht, meint er. Eigentlich spiele der Wald eine wichtige Rolle auch hinsichtlich des Wasserkreislaufs, deshalb müsse er geschützt werden. Auch Flußläufe würden zu Gefahrenzonen, wenn man sie einenge. Und die bestehenden Barrieren aus Schutt und Müll müssten umgehend beseitigt werden.

Also muss man auf Madeira umdenken – aber wie? Die Wirtschaft der Insel ist seit fast drei Jahrzehnten überwiegend auf Tourismus ausgerichtet; der berühmte Wein spielt nur mehr eine untergeordnete Rolle. Mehr als eine Million Besucher kommen pro Jahr auf die Blumeninsel. Die Frage bleibt, wie die kleine Insel dies verkraften soll, ohne weiteren Schaden zu nehmen.