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Arme Litauer trauern Kernkraftwerk Ignalina nach

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Arme Litauer trauern Kernkraftwerk Ignalina nach

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Mehrere tausend Litauer aus der Umgebung des geschlossenen Kernkraftwerks Ignalina haben gegen die Explosion ihrer Heizkosten protestiert. Die meisten stammen aus Russland und haben für das Kraftwerk gearbeitet, das mehr als 70 Prozent der Elektrizität des Landes geliefert hatte. Nach der von der EU erzwungenen Abschaltung Ende 2009 seien die Rechnungen auf das Vierfache gestiegen, klagen sie. Gleichzeitig wurden Litauen, Estland und Lettland  wieder stärker von russischen Energielieferungen abhängig. Das Kernkraftwerk Ignalina stammte noch aus der Sowjet-Ära, die Technik ähnelte der des explodierten Kraftwerks von Tschernobyl.
 
“Wenn ich meine Nebenkosten bezahlt habe, dann sind noch 60 Litas übrig, nicht mal 20 Euro”, klagt eine Demonstrantin. “Ich weiß nicht, wie ich damit überleben soll. Oder gibt es essbares Gras in Litauen?” Die staatliche Preiskontrollkommission bestätigte die Explosion der Heizkosten, machte aber ineffiziente Heizkraftwerke dafür verantwortlich und meinte, die Stromkosten seien landesweit lediglich um ein Drittel gestiegen.
 
Die Beschlussfassung für ein Ersatz-Kraftwerk zwischen den drei baltischen Staaten und Polen schleppt sich hin. Es soll bis 2018 fertig werden. Nebenan in der russischen Exklave Kaliningrad (Königsberg) wird seit kurzem an einem neuen Kernkraftwerk – Baltijskaya – gebaut. 
Der erste Reaktorblock soll bis 2016 fertig sein.