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Karadzic äußert sich erstmals vor Haager Tribunal

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Karadzic äußert sich erstmals vor Haager Tribunal

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Im Prozess um die schlimmsten Massaker in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg hat der angeklagte ehemalige Anführer der bosnischen Serben Radovan Karadzic jede Schuld von sich gewiesen. Es war das erste Mal, dass sich Karadzic vor dem UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien zur Anklage äußerte. Bisher hatte er den Prozess boykottiert.
 
Doch auch diesmal sparte er nicht mit Kritik am Tribunal: Der Ankläger paktiere offenbar mit den einstigen Kriegsgegnern der Serben, sagte er, und versuche, das Tribunal in eine Disziplinargericht der NATO zu verwandeln. Karadzic gab westlichen Staaten eine Mitschuld am Bosnienkrieg, insbesondere Deutschland, das auf die – wie er sagte - “voreilige” Anerkennung der alten jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina gedrängt habe. Den bosnischen Serben sei der Krieg aufgedrängt worden, betonte Karadzic, und er werde vor diesem Gericht sich selbst, seine Nation und ihre “gerechte und heilige Sache” verteidigen.
 
Vor dem Gerichtsgebäude im niederländischen Den Haag demonstrierten Hinterbliebene der Opfer des Massakers von Srebrenica für Gerechtigkeit. Sie fürchten, dass Karadzic mit seiner Verzögerungstaktik den Prozess zum Scheitern bringen könnte. “Wir erwarten, dass der Prozeß so schnell wie möglich durchgezogen wird”, sagt die Vorsitzende eines Hinterbliebenenverbands, “und dass sich der Fall Milosevic nicht wiederholt. Weitere, noch flüchtige Angeklagte sollten ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden. Das wäre ein Sieg der Gerechtigkeit für die ganze Welt und würde den Schmerz der Hinterbliebenen lindern.”
 
Radovan Karadzic ist wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in elf Fällen angeklagt. Ihm wird der gewaltsame Tod von rund 100 000 Menschen während des Bosnienkrieges in den neunziger Jahren zur Last gelegt.