Eilmeldung

Eilmeldung

Die vergessenen Roma-Kinder im Kosovo

Sie lesen gerade:

Die vergessenen Roma-Kinder im Kosovo

Schriftgrösse Aa Aa

Für Bernard Kouchner ist das Kosovo bekanntes Terrain. Der “Politiker ohne Grenzen”, wie ihn seine sozialistischen Ex-Freunde nennen, seit er Außenminister einer konservativen Regierung geworden ist, war von 1999 bis 2001 als Repräsentant des UN-Generalsekretärs in der damals noch serbischen Provinz tätig. Kouchner kennt auch Mitrovica, jene Stadt, in der die Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen immer noch am deutlichsten sichtbar sind. Der Fluss trennt das serbische vom albanischen Viertel und auf der Brücke kam es mehrfach zu blutigen Zusammenstößen. 130.000 Serben im Norden leben nach wie vor streng getrennt von den 64.000 Albanern im Süden.

Über diesen Problemen wurde jene der kleineren Minderheiten völlig vergessen. Am Rand von Mitrovica, am Südufer des Flusses Ibar, liegt das Viertel der Roma. Seit mehr als 150 Jahren lebt diese Volksgruppe hier. Im Zuge der ethnischen Konflikte haben die am Ende siegreichen Kosovo-Albaner deren Häuser niedergebrannt. 2000, als Kouchner UN-Verwalter im Kosovo war, bekamen sie ein Notlager zugewiesen. Es sollte nur für 45 Tage sein, aber inzwischen leben die Familien seit zehn Jahren direkt neben den Altlasten einer verlassenen Bleimine. 200 Kinder leiden an Vergiftungen. Eine Mutter beklagt, ihr Sohn Ergin habe zu hohen Blutdruck und Diabetes. Dazu komme Harnvergiftung. Nun habe auch ihr Sohn Robert Nierenprobleme bekommen. Und niemand helfe ihnen.

In der vergangenen 10 Jahren sind hier 80 Menschen an Vergiftungen gestorben. Aber bis zum Arzt Bernard Kouchner können diese Menschen mit ihren Sorgen kaum vordringen – schließlich ist selbst das UN-Hochkommisarriat für Flüchtlinge bis jetzt untätig geblieben. Paul Polanski arbeitet für eine norwegische Hilfsorganisation, die mit der UN-Flüchtlingshilfe verbunden ist. Seiner Organisation wirft er vor, kein Kind aus dem Lager zu retten, für kein einziges Kind oder keine schwangere Frau medizinische Hilfe zu organisieren. Er nennt es “Vernachlässigung von Kindern”. Es sei nur einmal eine ehemalige Krankenschwester hier gewesen, beklagt er: 2Und die war durch das, was sie sah, so verstört, dass sie nach nur zwei Monaten versetzt werden musste.”

Für die hier gestrandeten Familien aber gibt es keine “Versetzung” an einen gesünderen Ort. Auch nicht nach dem Besuch von Bernard Kouchner, dem zum Außenminister aufgestiegenen Gründer der Organisation “Ärzte ohne Grenzen”.