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Interview mit dem MEP Jorgo Chatyimarkakis

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Interview mit dem MEP Jorgo Chatyimarkakis

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Jorgo Chatzimarkakis ist ein deutscher Europa-Abgeordneten griechischer Herkunft. Er hat eine interessante Perspektive auf die gegenwärtige Krise, da er die griechische wie auch die deutsche Sicht kennt.

Herr Chatyimarkakis, hatten die jüngsten Entwicklungen in der Krise des Euro aus Ihrer Sicht eine negative Auswirkung auf die griechisch-deutschen Beziehungen?

JC: “Griechenland hat traditionell sehr, sehr gute Beziehungen zu Deutschland und hängt wirtschaftlich stark von Deutschland ab. In den vergangenen zwei Wochen sind einige negative Elemente aus der Vergangenheit wieder aufgetaucht. Das ist sehr schmerzlich, denn ich hätte nicht gedacht, dass diese Feindseligkeiten so leicht zurückkehren würden. Das hat ganz sicher damit zu tun, dass die Griechen wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise in Panik geraten sind.”

Was halten Sie von der Haltung der Presse und der anderen Medien in Griechenland und Deutschland?

JC: “Wir haben in Europa Pressefreiheit und wir können stolz darauf sein, dass es Meinungsfreiheit gibt. Als Politker würde ich diese Freiheiten niemals einschränken. Es gab jedoch auf beiden Seiten einige Übertreibungen, angefangen natürlich mit der Zeitschrift Focus. Ich sage es ganz klar: Die Formulierung `Betrüger in der Euro-Familie`ist ein Klischee, das nicht auf alle Griechen zutrifft. So wurde es aber in Griechenland verstanden und damit hat meiner Meinung nach das Problem begonnen.”

Spüren Sie angesichts der Unzufriedenheit in Griechenland eine Zunahme der Europafeindlichkeit?

JC: “Ich denke, unter dem Schock der gegenwärtigen Krise werden die Menschen kurzfristig der Europäischen Union die Schuld geben. Aber auf längere Sicht wird das Stabilisierungsprogramm Griechenland dabei helfen, die Unsicherheiten zu überwinden, unter denen das System seit Jahren leidet. Langfristig werden die Griechen verstehen, dass Griechenland eine Phase der Modernisierung durchläuft und dass dies gut ist für ihr Land.”