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Kritik an irischem Kardinal

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Kritik an irischem Kardinal

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Das Oberhaupt der katholischen Kirche in Irland steht in der Kritik: Sean Brady soll Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern vertuscht haben.

Es geht um Vorfälle aus den siebziger Jahren: Brady
war damals Sekretär eines Bischofs und mit der Untersuchung von Missbrauchsfällen beauftragt. Obwohl er also von solchen Fällen wusste, sagte er nichts davon der Polizei.

“Es gab keine Vertuschung”, sagt Brady, heute ein Kardinal; “ich habe ihnen geglaubt. Was ich wusste,
habe ich dem Bischof gesagt, der dann gehandelt hat. Ich habe darüber nachgedacht und über all die Arbeit, die seitdem im Kinderschutz geleistet worden ist, und ich sehe wirklich keinen Grund zum Rücktritt.”

Unter anderem ging es um Opfer von Brendan Smyth, einem Pfarrer, der nach jahrzehntelangem Kindesmissbrauch in den Neunzigern verurteilt wurde. Vorher wurde er aber innerhalb der Kirche immer wieder versetzt und konnte immer wieder neue Taten begehen. Sogar die Kirche schloss ihn aber schließlich aus.

“Sean Brady”, sagt Colm O’Gorman, ehemaliger Leiter einer Kinderschutzorganisation und einer der Kritiker des Kardinals, “hatte für sich entschieden, dass die Kinder die Wahrheit sagten. Aber dann hat er das einfach nach oben weitergegeben und nichts unternommen. Und während Sean Brady in der katholischen Kirche aufstieg, vergewaltigte und missbrauchte Brendan Smyth weiterhin Kinder – noch achtzehn Jahre lang.”

Nur der Papst könne ihn zum Rücktritt bewegen, sagt Brady. Der hat zur Zeit reichlich mit solchen Fällen zu tun: Allein in Irland haben in letzter Zeit zwei Untersuchungsberichte vielfachen Missbrauch und Misshandlung von Kindern in kirchlicher Obhut
festgestellt. Dazu kommen die jetzt bekanntgewordenen Fälle von Kindesmissbrauch in kirchlichen Einrichtungen in Deutschland und Österreich.