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Dem plötzlichen Kindstod auf der Spur

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Dem plötzlichen Kindstod auf der Spur

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Nathan ist erst drei Tage alt. Eine Zeit der gemischten Gefühle für seine Mutter – zum Riesenspass kommt in den ersten Monaten immer die kleine Angst – “atmet er noch ?” – vor dem plötzlichen Kindstod.

Nathans Mutter Florence Kimmel:
“Über diese Sache weiss man nicht viel. Keine Ursache bekannt. Klar, dass das Eltern beschäftigt.”

Catherine Ichter, Hebamme an der Uniklinik
Straßburg:

“Wir kennen die Gründe nicht,” sagt die Hebamme, “wir wissen nicht, was zu tun ist, wenn es passiert. Geschweige denn, wie das Unglück zu verhindern wäre.”

Es gibt nur ein paar Ratschläge gegen den plötzlichen Kindstod: Die Babys zum Schlafen auf den Rücken drehen, auf einer Spezial-Matratze für Säuglinge.

Nun ist eine neue Spur aufgetaucht: Ein Team von Kinderärzten, Pharmakologen und Molekularbiologen an der Universität Straßburg hat
Herzen untersucht – von Opfern des plötzlichen Kindstods und anderen, die etwa an Unfällen gestorben waren.

Ergebnis: Ein möglicher Zusammenhang zwischen dem plötzlichem Kindstod und dem sogenannten Nervus vagus, der vom Gehirn aus innere Organe steuert – auch die Herzfunktion. Die Forscher fandern heraus, dass der Nervus vagus bei Opfern des plötzlichen Kindstodes eine signifikant größere Menge an ganz bestimmten Proteinen produziert.

Pascal Bousquet, Uniklinik Straßburg:

“Im Vergleich zu normalen Herzen haben wir die fache Menge von diesen Proteinen gefunden.”

Ein Vagus-Nerv, der die Herzfrequenz bis zum Herzstillstand verlangsamt – wenn das zutrifft, könnte man die Gefahr eines plötzlichen Kindstodes durch einen einfachen Bluttest dingfest machen.

Der plötzliche Kindstod im ersten Lebensjahr ist eine der häufigsten Ursachen der Kindersterblichkeit in Westeuropa in dieser Altersgruppe. Er trifft im Schnitt ein Baby von 2000.