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Guttenberg wegen Kundus-Angriffs unter Beschuss

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Guttenberg wegen Kundus-Angriffs unter Beschuss

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In der Kundus-Affäre gerät der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg weiter unter Beschuss. Womöglich hat er frühzeitig von der Existenz der sogenannten “Gruppe 85” gewusst. Einer Gruppe, die im Verteidigungsministerium eigens eingerichtet worden sein soll, um den tödlichen Bombenabwurf bei Kundus mit mindestens 142 Toten zu vertuschen.

Der von Guttenberg gefeuerte Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhahn, bestätigte gestern vor dem Untersuchungsausschuss die Existenz und Aufgabe der “Gruppe 85”. Diese sei vier Tage nach dem Bombenabwurf eingerichtet worden. Ziel: Vertuschung. Gründer der Gruppe ist der damalige Verteidigungs-Staatsekretär Peter Wichert. Der wies vor dem Ausschuss die Vertuschungs-Vorwürfe als “blanken Unfug” zurück. Es sei darum gegangen, dass keine einseitige Untersuchung der NATO in die Welt gesetzt werde”, so Wichert. Für die Opposition ist der Sachverhalt klar. Jan van Aken von der Linken sagte, es sei “relativ offensichtlich, dass es eine konzertierte Vertuschung gegeben hat, vom ersten Tag an. Im Ministerium, im Verteidigungsstab war vom ersten Tag an klar, dass es zivile Opfer gab. Trotzdem wurde tagelang behauptet, Zivilpersonen kamen nicht zu Schaden”.

Am 4. September vergangenen Jahres hatten amerikanische Jagdflieger auf Anforderung der Bundeswehr zwei von Taliban entführte Tanklastwagen nahe Kundus in Afghanistan bombardiert. Unter den mindestens 142 Toten waren überwiegend Zivilisten. Der Untersuchungsausschuss soll nun klären, wer in der Bundesregierung was wann wusste. Guttenberg, der Nachfolger des damals zuständigen Verteidigungsministers Franz Josef Jung, wird Ende April vor dem Untersuchungsausschuss erwartet.