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Lebenslang für SS-Mann

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Lebenslang für SS-Mann

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Der ehemalige SS-Mann Heinrich Boere ist am Dienstag wegen dreifachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Der Prozeß vor dem Landgericht Aachen war eines der letzten NS-Verfahren in Deutschland.

Bei den Angehörigen der Opfer herrschte nach der Urteilsverkündung große Erleichterung. Der Vater des Nebenklägers Teunis de Groots war von Boere erschossen worden. “Ich hoffe er lebt noch sehr lange”, sagt er zufrieden nach der Urteilsverkündung.

Boere hatte als Angehöriger der SS-Todesschwadron “Feldmeijer” 1944 auf Befehl drei niederländische Zivilisten erschossen. Die Verteidigung kündigte Revision beim Bundesgerichtshof an. Doch selbst wenn die verworfen wird, ist die Haftfähigkeit Boeres unklar.

“Die Frage ist noch offen, ob er die Strafe nicht verbüßen wird. Aber darauf kommt es auch gar nicht so sehr an; da sind wir wieder eher bei der symbolischen Bedeutung, das ist ganz klar.
Was wir auch in erster Linie hier erzielen wollten und was wir auch erreicht haben, das ist ein Schuldspruch. Man hat seine Schuld für dieTaten festgestellt. Das ist von enormer Bedeutung”, stellte Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß fest.

Boere war 1949 in den Niederlanden wegen der Morde bereits in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Weil die neue EU-Grundrechtscharta verbietet, einen Täter wegen der selben Tat zweimal zu verurteilen, landet das Verfahren möglicherweise vor dem Europäischen Gerichtshof. Nach bislang geltendem Recht war ein zweites Verfahren möglich, sofern das erste Urteil noch nicht vollstreckt war. Ob dies auch künftig möglich ist, wird der EUGH wohl in einem Grundsatzurteil entscheiden müssen.