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Benedikt XVI. - fünf Jahre nach Johannes Paul II.

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Benedikt XVI. - fünf Jahre nach Johannes Paul II.

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Am 2. April 2005 starb Papst Johannes Paul II..
Die katholische Christenheit trauerte um ein Oberhaupt, dessen Pontifikat schon zu seinen Lebzeiten als “historisch” bewertet wurde.
Nicht nur wegen der ungewöhnlichen Länge von 26 Jahren – vielmehr war es der Einfluß auf den Weltenlauf, den der polnische Papst im ausgehenden 20. Jahrhundert genommen hatte.
Auf den polnischen Papst folgte ein deutscher.
Er übernahm mit den Insignen seines Amtes auch die ungelösten Probleme seiner Kirche.
Jetzt wird weltweit über den sexuellen Mißbrauch Schutzbefohlener diskutiert, den einige Geistliche begangen und andere nicht geahndet hatten.
Bei einer Umfrage unter dem Kirchenvalk auf dem Petersplatz in Rom scheiden sich die Geister. Eine junge Frau meint, diese Skandale können die Reputation beider Päpste untergraben, des vorigen wie des gegenwärtigen.
Eine andere hingegen denkt, das werde Ratzinger treffen, nicht aber Johannes Paul II.

Als konservativ gelten beide.
Der polnische Papst aber wirkte in einer anderen Zeit. In einer Zeit weltweiter Umbrüche, in der er Stellung bezog und Einfluß ausübte.
Der Pole hatte schon in den frühen 60er Jahren erkannt hatte, dass die Kirche sich solcher Grundfragen wie Menschenrechte und Meinungsfreiheit annehmen müsse.
Als er Michael Gorbatschow im Vatikan empfing, da war das ein Ereignis von weltpolitischer Tragweite.
Im Rückblick lässt sich sagen, so hat er gemeinsam mit dem ehemals mächtigsten Kommunisten-Führer den Kommunismus zu Grabe getragen.
Der Papst am Ende des Kaltes Krieges spielte eine wichtige Rolle in der Weltpolitik.

Und in der eigenen Kirche?
Sicher wird da der vom Seelsorger seiner Gemeinde zum Papst aufgestiegene Karol Woytila anders wahrgenommen als der Doktor der Theologie und Universitätsprofessor Joseph Ratzinger. Dabei sind beide einen guten Teil ihres Weges gemeinsam gegangen. Zum Präfekten der Glaubenskongregation, jenem Gremium, das über die Reinheit des katholischen Glaubens wacht, wurde Kardinal Ratzringer schon 1981 von Papst Johannes Paul II. berufen.
So gesehen, führt Benedikt XVI. heute nur jene Glaubenslinien konsequent weiter, die er unter der Führung seines Vorgängers und in Übereinstimmung mit diesem in langen Jahren ausgearbeitet hat.

Wer beide vergleichen will, muss folglich auch die Zeit ihres Wirkens vergleichen.
Da kann es schon sein, dass dem heutigen Papst ein schärferer Wind um die Nase weht.