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Bei falscher Sprache wird das Haus teurer

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Bei falscher Sprache wird das Haus teurer

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Rund um Brüssel eskaliert mal wieder der Sprachenstreit. Diesmal haben einige Gemeinden mit privaten Grundstückseigentümern eine Absprache getroffen, wonach keine Häuser an französisch sprechende Kunden verkauft werden sollen. Sie wollen den flämischen Charakter ihrer Gemeinden erhalten, sagen die betreffenden Bürgermeister – darunter jener von Vilvorde, Marc van Asch. Der betont, wer hier wohnen wolle, solle angehalten werden, niederländisch zu sprechen.

Der Hintergrund ist wie so oft sozialer, bzw. finanzieller Natur. Die zahlungskraftigsten Kunden sind zumeist die bei EU und NATO in Brüssel arbeitenden Ausländer. Und die sprechen überwiegend französisch.

Wie sein Kollege in Vilvorde so legt auch der Bürgermeister von Grooik, Rudy Doomst, Wert darauf, Neubürger zu bekommen, die willig seien, sich in die flämische Gesellschaft zu intergieren.

Wer nch Belgien kommt, muss sich entscheiden, ob er flämisch oder französisch leben will.
Ein “dazwischen” gibt es nicht.
Die Gemeinde Zaventem in der Nähe des internationalen Flughafens hat 2007 sogar für niederländisch sprechende Kunden die Preise gesenkt. “Integration” heisst in Belgien in jedem Fall auch “Abgrenzung”. Wobei nicht unwichtig ist, dass im föderalen Staat der flämische Landesteil mit den wohlhabenden Hafenstädten der wirtschaftlich erfolgreichere ist.

So verweist der Eric Vam Rompuy, Stadtrat von Zeventem – zwar ausnahmsweise auf französisch – aber nicht weniger nachdrücklich als seine Kollegen, darauf dass das Beherrschen der niederländischen Sprache ein Integrationsfaktor sei.

Eigentlich soll laut belgischer Verfassung die Hauptstadt Brüssel zweisprachig sein.
Aber die wächst – logischerweise ins flämische Umland hinein. Und dort fürchten die Flamen überfremdet zu werden. Also haben sie französische sprechende Bürgermeister zur nächsten Wahl nicht mehr aufgestellt und in einem Ort sogar gleich das Rathaus zugemauert – zum Schutz vor der französischen Gefahr.