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Aquila - ein Jahr nach dem Erdbeben in den Abruzzen

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Aquila - ein Jahr nach dem Erdbeben in den Abruzzen

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Vor ein paar Tagen waren sie mit ihrer Geduld endgültig am Ende. Die Bürger von Aquila überrannten einfach die Absperrzäune in ihrer zerstörten Stadt, um selber anzupacken. Am 6. April 2009 hatte ein Erdbeben der Stärke 6,3 die Einwohner der alten Stadt in den Abruzzen aus dem Schlaf gerissen.

Ein Jahr darach ist nicht viel geschehen. Die verbitterten Bürger werfen dem Staat Unfähigkeit oder gar Unwillen vor. Immer noch liegen mehr als die Hälfte der Trümmer herum. So versuchen sie selbst, hier und da ein Stück wertvolles Mosaik zu bergen oder eine andere Erinnerung an ihr Leben davor.

Zusammen mit einer Familie ist ein Kamerateam auf Spurensuche gegangen im historischen Viertel San Pietro. Das ist übriggeblieben von ihrem Haus aus dem 16. Jahrhundert. Die Hausfrau erinnert sich voller Grauen an die Nacht, in der der ihr Haus einstürzte. Nichts ist mehr da, nur noch Trümmer habe die Firma übriggelassen, die den Ort sichern sollte.

Es scheint, sie habe alles andere einfach auf die Straße geschmissen.

Enzo Tettamanti und sein Sohn gehören auch zu den 70.000 Menschen, die seither obdachlos sind.
Dies hier war bis vor einem Jahr ihre Wohnung. Auch sie müssen feststellen: Nichts ist geschehen. Keine Spur von den versprochenen Aufräum – geschweige den Wiederaufbauarbeiten. Alles sieht aus wie vor einem Jahr.

Man nennt sie in Aquila die “Berlusconi-Häuser”, die schnell errichteten Unterkünfte für bisher 14.000 der 70.000 Obdachlosen. Reine Schlafstätten ohne Verkehrsanbindung zu Arbeitsplätzen, oder Gemeinschaftseinrichtungen.

Gemeinschaft – die findet bisher nur im halbwegs geräumten Stadtzentrum von Aquila statt. Hier hat Familie Nurzia auf eigene Faust ihr kleines Cafe wieder eröffnet.

“Nie war hier von Erdbeben die Rede”, sagt die Wirtin,” nur von Café und Schokolade. Aber wenn man jetzt zur Tür herausgeht….”

Was sie nicht sagt: Dann muss man über Trümmer klettern, als wäre das Erdbeben nicht ein Jahr sondern erst Stunden her.