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Billion: kaum Themen für gemeinsames Vorgehen

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Billion: kaum Themen für gemeinsames Vorgehen

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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist zu einem offiziellen Besuch in Frankreich angekommen. Paris und Ankara haben seit längerem viele politische Differenzen. euronews wollte von Didier Billion, Wissenschaftler am Institut für Internationale und Strategische Beziehungen in Paris, wissen, welche Perspektiven dieser Besuch haben könnte.

euronews:
“Didier Billion, Ihr Spezialgebiet ist der Mittlere Osten mit dem Schwerpunkt Türkei.

Zum ersten Mal, seitdem die Europäische Union Beitrittsgespräche mit der Türkei aufgenommen hat, ist der türkische Ministerpräsident Erdogan zu einem offiziellen Besuch in Frankreich. Kann das die Beitrittsgespräche voranbringen oder wird der französische Präsident Nicolas Sarkozy auf seinen Positionen beharren?”

Didier Billion, Wissenschaftler am Institut für Internationale und Strategische Beziehungen in Paris:
“Leider wird Nicolas Sarkozy meiner Meinung nach bei diesem wie auch vielen anderen Themen bei seiner Meinung bleiben. Er hat mehrfach erklärt – und das ist wohl eine Art innenpolitisches Kalkül -, dass er sich dem Gedanken eines EU-Beitritts der Türkei widersetzt. Und ich sehe nicht, wie ihn der türkische Ministerpräsident bei seinem Besuch in Paris davon überzeugen könnte, dass das ein Fehler sein könnte.”

euronews:
“Glauben Sie denn, dass diese Frage bei ihrer Unterredung angeschnitten wurde?”

Billion, Wissenschaftler am Institut für Internationale und Strategische Beziehungen in Paris:
“Natürlich denke ich, dass Erdogan, seitdem er in Paris ist, ständig wiederholt, dass Sarkozy nur in die Türkei eingeladen wurde, um sich vor Ort selbst von den Fortschritten der türkischen Gesellschaft zu überzeugen.
Das ist nämlich ein kaum versteckter Vorwurf an Sarkozy, dass dieser es nie für nötig gehalten habe, selbst in die Türkei zu reisen – sozusagen ein ziemlich deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl von Seiten des türkischen Ministerpräsidenten. Wenn dieses Treffen also dazu dienen kann, wird das eine gute Sache sein.”

euronews:
“Es scheint so, als gebe es zwischen den beiden Staaten nur Differenzen, zum Beispiel was den türkischen Beitritt, die härteren Sanktionen gegen Iran oder die Armenien-Frage betrifft. Gibt es auch Themen, bei denen sie wieder zusammen kommen?”

Billion, Wissenschaftler am Institut für Internationale und Strategische Beziehungen in Paris:
“Zu Armenien: Immerhin hat Nicolas Sarkozy Armenier und Türken seine Glückwünsche ausgesprochen, als diese die Einverständnis-Erklärung im letzten Oktober unterschrieben haben. Leider wurde dieses Protokoll nicht ratifiziert, weder vom armenischen noch vom türkischen Parlament. Da kommt es zu Verzögerungen. Wenigstens gibt es aber eine offizielle Übereinstimmung.
Zu anderen Themen: Die Mittelmeerunion kommt nur langsam voran. Seit dem Krieg im Gazastreeifen hat sie große Schwierigkeiten, sich weiterzuentwickeln.
Wir wissen, dass die Türkei und Frankreich eine wichtige Rolle gespielt haben, um Syrien aus dem internationalen Abseits herauszuholen. Allerdings gibt es in diesem Punkt eher eine Art Konkurrenzdenken als ergänzende Herangehensweisen zwischen der Türkei und Frankreich.
So geseehen ist es tatsächlich schwierig, ein gemeinsames Thema zu finden, das Türken und Franzosen gleichwertig und ergänzend voranbringen könnten.”