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Fortschritte der Augenheilkunde

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Fortschritte der Augenheilkunde

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Marion ist Studentin der Kunstgeschichte. Ihre Leidenschaft gilt wissenschaftlichen Ausgrabung. Bei der Ortung und Bergung von Fundstücken ist genaues Augemaß gefordert. Doch eben dieses wird Marion in Zukunft möglicherweise fehlen.

Sie leidet an pigmentärer Retinopathie, einer Krankheit, die den Patienten letztlich erblinden lässt. Weltweit sind etwa 1,5 Millionen Menschen davon betroffen.

Die genetisch bedingte, vererbliche Krankheit beschreibt eine Veränderung der Netzhaut. Diese ist im Auge an den Sehnerv angeschlossen und an der Übertragung des visuellen Reizes an das Gehirn beteiligt. Versagt die Netzhaut ihren Dienst, droht dem Patienten die Erblindung.

Wissenschaftler am Pariser “Institut de la Vision”, einem der größten europäischen Zentren für Augenheilkunde, forschen an mehreren Behandlungsmethoden.

Eine Möglichkeit, dem Patienten die bildliche Wahrnehmungskraft zu erhalten, ist die Einpflanzung einer künstlichen Netzhaut.

Ein nur fünf Millimeter großes Implantat wird auf die Netzhaut aufgesetzt. Dieses ist durch ein kabelloses System mit einer Kamera an einem der beiden Brillenbügel verbunden. Die Kamera nimmt den visuellen Reiz auf und schickt ihn an das Implantat. Dieses verwandelt die Informationen in schmerzlose elektrische Impulse, die wiederum an das Gehirn weitergegeben werden.

Einige fast erblindete Patienten konnten nach der Implantation des Systems ihre Umgebung zumindest wieder in Kontrasten wahrnehmen.

Da es sich bei der pigmetären Retinopathie um eine Veränderungen einzelner Gene handelt, ist noch eine weitere Therapiemöglichkeit denkbar, nämlich der Austausch des defekten Gens.

Diese Methode verfolgen Forscher am Universtitätskrankenhaus in Gent unter Leitung von Professor Leroy. In Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Chirurgenteam konnten sie dem kleinen Yannick zu mehr Sehvermögen verhelfen.

Yanniks Vater erklärt die Fortschritte seines Sohns:

“Yannick bei seiner Geburt zu 85% blind. Er hatte bereits begonnen die Braille-Schrift zu lernen und hat das gut hinbekommen. Aber wir wollten die neue Operationsmethode versuchen. Mit Professor Leroy haben wir beschlossen, Yannicks rechtes Auge in Philadelphia operieren zu lassen. Es hat funktioniert und wird nun immer besser.”

“Der erblichen Retinopathie liegt immer ein beschädigtes Gen zu Grunde”, so Professor Leroy. “Dieses ändert die Zellstruktur der Netzhaut. In einem chirurgischen Eingriff wird unter die Netzhaut eine funktionstüchtige Genkopie geschoben, die die beschädigten Zellen heilen kann.”

Dem kleinen Yannik hat sich durch die Operation eine neue Welt erschlossen:

“Jetzt kann ich mit meinen Freunden spielen. Ich gehe zur Schule. Ich kann lesen, den Computer benutzen. Und ich kann Fernsehen schauen.”

Die Behandlungserfolge der Einpflanzung einer künstlichen Netzhaut und die Gentherapie,
lassen viele Patienten auf eine Heilung ihres Leidens hoffen. Zumindest jedoch könnten beide Behandlungsmethoden der Krankheit den Schrecken einer zwangsläufigen Erblindung der Patienten nehmen.

Und so könnte Marion ihrer Leidenschaft für die Kunst vielleicht auch in Zukunft nachgehen.