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Kirgistan - armes Land mit reicher Geschichte

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Kirgistan - armes Land mit reicher Geschichte

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Reinemachen in Bischkek nach der jüngsten Revolte. Zumindest diese Männer haben für den Moment Arbeit. Damit dürften sie schon besser dran sein als viele andere. Was immer der nunmehr gestürzte Präsident Kurmanbek Bakijew nach der “Tulpenrevolution” von 2005 auch versprochen hatte – Arbeit, mit der man die Familie ordentlich ernähren kann, war nicht unter den erfüllten Versprechen.

Am Straßenrand steht eine junge Frau mit einem kleinen Kind auf dem Arm. Die Regierung sollte nicht wie ein Familienunternehmen arbeiten, sie sollte an das ganze Volk denken, erklärt diese Frau auf Russisch.

Als die Hauptstadt noch den Namen des Sowjet-Führers Frunse trug, wurden im Norden urbane Zentren gegründet mit Fabriken für die Verarbeitung der Früchte des Landes.

Geblieben ist aus jener Zeit vor allem die russische Sprache – unentbehrlich für das Überleben vieler Familien. Denn wie die Kosovaren gen Westeuropa – so ziehen die Kirgiesen gen Kasachstan oder besser noch gen Russland. Ein Großvater weist auf sein leeres Haus. Die Söhne sind weg.
“Rabota net” – Arbeit gibt es hier keine, erklärt er.

Wer ein Diplom hat, geht weg, hier könnte er höchstens einen Stand auf dem Markt betreiben.
Dann lieber ab nach Kasachstan oder Russland..

Und wo bekommt der Staat Kirgistan sein Geld her?

Bekanntermaßen aus dem Vermieten von Militärstützpunkten. Das kleine Land mit wenig mehr als 5 Millionen Einwohnern liegt strategisch günstig sowohl für Russland als auch für die USA.
Über Manas wickeln die Amerikaner die Versorgung ihrer Truppen im nahen Afghanistan ab.

Der Kreml hatte dem nun verjagten Präsidenten Bakijew schon mal diesen Stützpunktvertrag abzuhandeln versucht – aber dann verdreifachten die Amerikaner ihre Miete und alles blieb beim Alten. Mit Russland gibt es auch noch ein Altlastenproblem. So schön weit weg von Moskau wurde zu Sowjetzeiten gern der kaum gesicherte nukleare Abfall abgeladen.

“Manas” – der Name der US-Militärbasis – stammt vom wichtigsten Werk der kirgisischen Literatur, mehr als tausend Jahre lang mündlich überliefert.

Und der heutige Name des Staates “Kirgistan” ist als Bekenntnis der Zugehörigkeit zur Gruppe der Turkvölker zu verstehen.

Zu Sowjetzeiten wurde das russische Wort Kirgisien benutzt.