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Nuklearsicherheit in einer multipolaren Welt - wie geht das?

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Nuklearsicherheit in einer multipolaren Welt - wie geht das?

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Solche Gespenster gehen heute seltener um in Europa und anderswo. Das “Gleichgewicht des Schreckens”, ausbalanziert in den Händen von zwei Supermächten, ist mit dem Ende des Kommunismus verschwunden. Nicht aber die atomare Gefahr. Das hatte US-Präsident Barack Obama schon einem Jahr in Prag gesagt.

Da hatte er auf die breiter gewordene Techologie zum Bombenbau verwiesen. Natürlich mit Blick auf Terroristen, die Atomwaffen bauen oder stehlen könnten. Folglich müssten die Anstrengungen zur Eindämmung einer solchen Gefahr durch ein globales Nichtweiterverbreitungsregime verstärkt werden. Denn je mehr Länder die Regeln brechen, um so näher komme man dem Punkt, an dem die Regeln nicht mehr zu halten seien.

Diese Länder gehören heute zum Klub der Atombombenbesitzer. Zuerst die klassischen 5 mit Vetorecht im UN-Sicherheitsrat. Von ihnen ging logischerweise auch die Initiative aus, anderen Staaten über den “Vertrag zur Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen” den Zugang zu verwehren.
Wer dem Vertrag beitritt, muss sich Kontrollen unterwerfen. Also haben etwa Pakistan, Indien oder Nordkorea nicht unterschrieben.

Und dann gibt es inzwischen auch noch eine Reihe von Staaten, die ganz im Geheimen nuklear aufrüsten. Iran ist am häufisten in den Schlagzeilen, aber Israel tut es auch.

Je mehr nukleares Mterial genutzt wird, umso dringlicher wird auch die Frage nach der sicheren Lagerung. Die ist schwierig und teuer, was etwa bei der nicht mehr mit Supermacht-Mitteln ausgerüsteten russischen Kriegsmarine zu gefährlichem Leichtsinn führt, wie der Greenpeace-Experte Wladimir Chruprow erklärt.

Er verweist auf die vielen radioaktiven Quellen, die im Gesundheitswesen benutzt werden, auch in der Erdlöl- und Gasindustrie. Da gebe es dann noch die ausgediensten “Atom-Generatoren” von den Kriegsschiffen, die massenhaft an der russischen Arktik-Küste entlangdümpelten. Das sind tausende radioaktive Quellen, aus denen sich ´schmutzige ´Bomben herstellen lassen.

Professort Joe Cirincione von der Georgetown-University erinnert an Länder, an die die in diesem Zusammenhang normalerweise nicht gedacht wird, wie Vietnam oder Ghana oder Argentinien.
Die hätten immerhin auf Vorräte an hoch angereichertem Uranium, das man für Bomben verwenden könne. Diese Länder hätten zwar keine Kernwaffen – dafür aber so armselige Sicherheitsstandarts, dass Terroristen schon auf gewisse Ideen kommen könnten.

Selbst die USA haben inzwischen eingeräumt, dass auch sie die Sicherheit ihrer Nuklearanlagen verbessern müssten.