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Zyperntürken enttäuscht von Verhandlungsstand

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Zyperntürken enttäuscht von Verhandlungsstand

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Die beiden Präsidenten der geteilten Insel Zypern haben sich oft die Hände gereicht. Im September 2008 begannen Dimitri Christofias, Staatschef der Republik Zypern, und Mehmet Ali Talat, politischer Führer des international nicht anerkannten türkischen Teils der Insel, ihre Friedensgespräche.

“Die beiden haben sich über 70 Mal in den letzten anderthalb Jahren getroffen,” resümiert der Politikwissenschaftler Niyazi Kizilyürek. Sie hätten auf bestimmten Gebieten Fortschritte erzielt. Allerdings blieben nach wie vor große Unterschiede.”

Offen sind noch Fragen zur Sicherheit, zum Besitzrecht und zu territorialen Anpassungen.
Ende März führten die Verhandlungen zur Einweihung einer Verbindung vom griechischen zum türkischen Teil der Insel. Am nächsten Tag wurden die Gespräche unterbrochen. Hintergrund ist der Wahlkampf von Präsident Talat. Dass sein zyperngriechischer Amtskollege Christofias ihn trotz aller Unterschiede unterstützt, ist ein offenes Geheimnis.

Es gebe zwei verschiedene Konzepte, erklärte Kizilyürek. Die griechischen Zyprer wollten eine starke zentrale Bundesregierung, während die Zyperntürken einen lockeren Bundesstaat aushandelten. Und diese beiden unterschiedlichen Annäherungen machten einen schnellen Erfolg unwahrscheinlich.

Die Teilung Zyperns geht auf 1974 zurück. Damals marschierte die türkische Armee in den Norden der Insel ein. Ankara reagierte auf einen Staatsstreich der griechischen Zyprer, der von Athen unterstützt wurde. Alle Versuche, die Insel wiederzuvereinen, scheiterten seitdem. Der letzte, bekannt unter dem Namen Annan-Plan, wurde 2004 von den Griechenzyprern per Referendum abgelehnt.

2005 kam die Wende: Talat, der für die Wiedervereinigung Zyperns eintrat, gewann die Präsidentschaftswahl. Die 70 Handschläge innerhalb von anderthalb Jahren haben für viele Zyperntürken kaum handfeste Fortschritte gebracht. Von der Enttäuschung über den Verhandlungsstand könnte nun der Nationalist und amtierende Ministerpräsident der Zyperntürken Dervis Eroglu profitieren.