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Wahlkampfende in Nordzypern

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Wahlkampfende in Nordzypern

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Ein tiefer Graben klafft zwischen den Programmen der beiden türkisch-zyprischen Präsidentschaftskandidaten. Vom Ausgang der Wahl zwischen dem Nationalisten Dervis Eroglu und Amtsinhaber Mehmet Ali Talat hängt der anfällige Friedensprozess auf der Mittelmeerinsel ab.

Am letzten Tag des Wahlkampfes liegt Talat in den Umfragen weiter zurück. Der amtierende Präsident hatte anderthalb Jahre lang die Weichen für eine Wiedervereinigung Zyperns gestellt. Doch die Friedensgespräche mit seinem griechisch-zyprischen Amtskollegen Dimitris Christofias verliefen nur schleppend. Es bleiben viele offene Fragen angesichts der territorialen Besitzverhältnisse.

Zypern ist seit 1974 geteilt. Auf einem Drittel im Norden der Insel leben die Türkenzyprer. Ihre Republik wird international nur von Ankara anerkannt.

Eroglu kämpft für eine Zwei-Staaten-Lösung – die breite Unterstützung im Norden könnte dem Nationalisten am Sonntag zum Wahlsieg verhelfen, was laut dem türkisch-zyprischen Politikwissenschaftler Niyazi Kizilyürek in eine Sackgasse führt: Eine Zweistaaten-Lösung werde weder von der internationalen Gemeinschaft noch von der griechisch-zyprischen Seite akzeptiert.
Wenn Eroglu die Wahl gewinne, würden die Friedensgespräche wahrscheinlich nicht fortgesetzt werden. Und falls doch, werde es keine konkreten Resultate geben, sagte der Politikwissenschaftler weiter.

Das hätte auch negative Folgen für eine Zukunft in der EU – sowohl für die Türkenzyprer, denn bisher ist nur der griechisch-zyprische Teil der Insel Mitglied, als auch für Ankara selbst. Auch die türkischen Beitrittsverhandlungen könnten durch ein “Nein” der Zyperngriechen gefährdet werden.