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Europa von unten - dank der Vulkanwolke

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Europa von unten - dank der Vulkanwolke

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Die Vulkanwolke schafft Erkenntnisse – zum Beispiel: Europa kann ganz schön gross sein. Und sie schafft neue Fakten – Bahnhöfe und Häfen werden wieder zu Verkehrsknotenpunkten, Beispiel Calais im Norden Frankreichs. Hier versuchen zur Zeit Tausende, ein Fähr- oder Zugticket nach England zu ergattern. Andere haben es über den Kanal geschafft und kämpfen nun um einen Mietwagen, um weiterzukommen.

Einige haben sich per Taxi aus Prag durchgeschlagen – 900 Kilometer, Kosten 700 Euro:

“Wir hatten eigentlich am Donnerstag einen Flug nach Dublin gebucht”, sagt einer müde durch das Autofenster, “dann wurde er erst auf Sonntag verschoben, dann auf Montag und schließlich gestrichen. Jetzt sind wir hier und hoffen, auch noch den Rest des Weges zu schaffen.”

Eine Frau erzählt: “Wir waren in London, gestrandet in London, und wollen zurück nach Finnland. Also kam unser Freund mit unserem Auto aus Finnland – er lebt nämlich in England – und wir fahren mit unserem Auto aus Finnland zurück.” Macht rund 1700 Kilometer, einfach.

Noch ein paar Zahlen: Normalerweise kommen jeden Tag 800 Menschen zu Fuß in Calais an. Jetzt strömen hier täglich 12.000 durch.

Sergio Cantone, Euronews:

“In diesen Tagen erlebt die Schifffahrt auf dem Kanal und hier in Calais einen ungeahnten Aufschwung. Die Hafenstadt ist ganz plötzlich zu einem Notfall-Nervenzentrum geworden. Tausende von Passagieren versuchen, England auf dem Seeweg zu ereichen. Sie treffen auf den Gegenstrom aus Großbritannien Richtung Kontinent. Auf die wartet ein weiterer Stau: Vor den Mietwagen-Schaltern, mit Kurs auf ganz Europa.”

Allein heute haben 5000 Reisende in Calais versucht, ein Auto zu mieten.

Wer übrigens auf Schadensersatz pocht, tun dies vergeblich. Es gibt keine Versicherung, die die wirtschaftlichen Schäden aus diesem Naturereignis abdeckt.

Eine Sachbearbeiterin am Schalter:
“Diese Menschenmassen, das ist ein Riesenstress. Also versuchen wir, heute abend länger zu arbeiten – Essen und Trinken fallen aus, die Kunden haben genug hinter sich.”

Und auf die Erfolgreichen wartet meist eine weitere Tortur: 1000e Kilometer bis in die letzten Ecken des Kontinents.

“Wir haben jetzt zwei Stunden gewartet und endlich ein Auto,” freut sich eine Autofahrerin, “also nichts wie ab nach Paris und dann weiter runter in den Südwesten nach Cahors.”