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Alle fünf Minuten explodiert ein Dampftopf

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Alle fünf Minuten explodiert ein Dampftopf

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“Wann das aufhört, das kann niemand vorhersagen. Auf den Beginn des Ausbruchs warten isländische Geologen, seit der Vulkan vor 15 Jahren anfing, Druck im Inneren aufzubauen. Also wurde er überwacht, man wusste, wann er ausbrechen würde. Zu spucken begann er vor einem Monat, Mitte März. Anfangs überhaupt nicht explosiv - so einen gewöhnlichen Ausbruch gibt es alle 2, 3 Jahre in Island. Doch dann wuchs der Riss und ging schließlich bis zum Gletscher. Erst dann begannen starke Explosionen, aber überraschend kam das alles nicht. Man hat es sogar erwartet.”
 
Pierre Thomas ist Geologe am Institut für Geowissenschaften an der Ecole Normale Superieure de Lyon. Was ist das Besondere am Eyjafjallajökull ? Wie lange bleibt er aktiv ? Kann er seinen viel gefährlicheren Nachbarn wecken ? Antworten vom Spezialisten.

Wie lange kann der Ausbruch dauern ? 
“Beim letzten Mal, vom Jahr 1821 an, hat die aktive Phase eineinhalb bis zwei Jahre gedauert. Wir haben leider kaum  Berichte. Was ist zu erwarten? Wenn die Lava immer an der gleichen Stelle austritt, schmilzt dort der Gletscher und die austretende Lava trifft auf immer weniger Eis. In dem Fall könnte man hoffen, dass die Explosivität abnimmt. Wandert der Riss in der Erdoberfläche aber an eine andere Stelle des Gletschers – dumm gelaufen.”

Wie kommt es zur Aschewolke ?
“Wenn der Gletscher sehr dick ist, ergibt das eine Menge Wasser. Bildlich gesprochen, ertrinkt der Vulkan. Das muss man sich vorstellen wie einen Ausbruch auf dem Meeresboden. Die Lava erstarrt sofort, eine Explosion bleibt aus. Bei weniger Wasser entstehen Dampf und Druck, etwa wie in einem Dampftopf. Das ergibt eine Batterie von Schnellkochtöpfen und alle fünf Minuten explodiert einer. Immer wieder läuft Wasser nach, die Schnellkochtöpfe explodieren und das schleudert  die Aschewolken auf 5, 6 oder 10 Kilometern Höhe.”

 Kann auch der Nachbarvulkan Katla ausbrechen ?
“Vulkane sind nicht ansteckend. Wenn der eine Vulkan ausbricht, muss der nächste das nicht nachmachen. In der Geschichte ist aber unser Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen  Eyjafjalajökull soviel ich weiss zweimal kurz nach dem Ausbruch des Katla aktiv geworden. Zweimal - das ist statistisch nicht signifikant. Das kann auch Zufall sein. Wenn es aber einen Zusammenhang gibt, dann wäre das sehr misslich, weil der Katla noch viel mehr Sprengkraft hat. Und auch unter einem Gletscher liegt – was das bedeutet, wissen wir. Die Lava ist aber nicht die gleiche. Rhyolith-Gestein gibt sehr gewaltsame Ausbrüche.”

Gibt es ein Horrorszenario ?
 “Wer sich richtig gruseln möchte, kann sich vorstellen, wie es war, als der Laki im Jahr 1783 ausgebrochen ist. Zwei Jahre lang spuckte er einen Lavastrom breit wie der Rhein – 2000 Kubikmeter Lava pro Sekunde. Das bedeutet zwei Jahre giftige Dämpfe – das hat in Island Vegetation und Vieh verseucht. Ein Viertel der Bevölkerung starb. Aber es war eine außergewöhnliche Vulkanaktivität- der größte Lavaausstoss, den der Mensch jemals aufgezeichnet hat. Und Chroniken gibt es seit 1783.