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Fossiles Skelett geröntgt

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Fossiles Skelett geröntgt

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Fast 2 Millionen Jahre lang haben für Forscher sensationelle Knochen in einer Höhle in Südafrika gelegen, bevor man sie im Jahr 2008 fand. Es sind überreste einer Vormenschen-Art, die man bisher nicht gekannt hatte – ein mögliches Bindeglied zwischen affenähnlichen Wesen und frühen Menschen.

Australopithecus nennen Forscher den Typus – dank weit entwickelter Hüftknochen und langer Beine lief er vermutlich wie die Menschen heute – schlenkerte aber noch affenartig langen Armen und riesigen Händen. Die Forscher nennt man Paläoanthropologen.

Prof. Lee Berger, Paläoanthropologe von der Universität Witwatersrand in Johannesburg, hat einen Teil der gefundenen Skelette, darunter einen Schädel, zum Synchrotron in Grenoble in Frankreich gebracht. Hier sollen sie zerstörungsfrei untersucht werden, per Mikrotomografie.

Im Synchrotron werden geladene Elementarteilchen auf sehr hohe Geschwindigkeiten beschleunigt. Auf einer in sich geschlossenen Bahn kommen sie fast auf Lichtgeschwindigkeit.

Das ermöglicht den Wissenschaftlern, das Innere eines fossilen Festkörpers sichtbar zu machen, manchmal mikrometergenau, ohne ihn anzutasten. Kontrast, Feinheit der Abbildung und Auflösung hängen Bilder aus konventionellen Röntgen-Apparaten um Längen ab. Die Röntgenstrahlen aus einem Synchrotron wie in Grenoble sind tausend Milliarden mal stärker als die eines Röntgengerätes im Krankenhaus. So kommen Wissenschaftler an genaue Informationen, auch über die kleinsten Knochenteile.

Den Einsatz des Super-Röntgengeräts für die Forschung an Fossilien hat der französische
Paläoanthropologe Paul Tafforeau entwickelt. Zuvor mussten Hominiden-Schädel ausgekratzt werden, bevor man sie wissenschaftlich untersuchen konnte.

Prof. Lee Berger, Paläoanthropologe von der Universität Witwatersrand in Johannesburg:

“Hier haben wir etwas weltweit Einmaliges, um ein Objekt dieser Grösse zu untersuchen. Einen Scanner mit der höherer Auflösung gibt es nicht. Und was machen wir jetzt mit dem rund 1,9 Millionen Jahre alten versteinerten Schädel aus Südafrika ? Wir untersuchen Strukturen und Formen im Inneren, wie alt wurde das Wesen – und Eigenschaften, die wir uns noch gar nicht vorstellen können. Das war einfach noch nie da in der paläontologischen Wissenschaft. “

Mit besonders hohem Aufwand werden die Zähne des Fossils untersucht. Aus den Ergebnissen kann man zum Beispiel ableiten, wie alt der Besitzer wurde. Oder man vergleicht sein tatsächliches Alter mit seiner Entwicklungsstufe – sie entspricht der eines modernen Menschen mit 13. So erfährt man etwas über seine Lebensbedingungen.

Prof. Lee Berger geht noch weiter. Er sucht auf den Hochleistungs-Röntgenbildern nach Resten von Weichteilen, die normalerweise nicht versteinern.

Und die Forschungsergebnisse ? Erst einmal hat man Tausende von Gigabytes an Daten. Die Analyse hat gerade erst begonnen. Eine erste Visualisierung des kompletten Schädels schürt die Neugier der Forscher nur noch weiter.

Zu sehen sind zum Beispiel versteinerte Insekteneier. Als Larven könnten sie sich vom Fleisch der toten Hominiden ernährt haben. Die Forscher fanden auch einen grösseren Bereich mit niedriger Dichte – vielleicht blieb das nach dem bakteriellen Verfall vom Gehirn übrig.

Die Forscher haben ihr Glück gefunden – völliges Neuland. Sie versprechen sich – und uns – Neuigkeiten aus der Zeit vor zwei Millionen Jahren. Als es eines Tages nach links zu den Affen weiterging und nach rechts zur Krone der Schöpfung.