Eilmeldung

Eilmeldung

Brasilia ist 50 - Weltkulturerbe mit verfehlten Idealen

Sie lesen gerade:

Brasilia ist 50 - Weltkulturerbe mit verfehlten Idealen

Schriftgrösse Aa Aa

Brasília ist 50. Die von Star-Architekt Oscar Niemeyer gestaltete neue Stadt in der Hochlandsavanne Brasiliens erhitzt die Gemüter bis heute.

Gut 130 Jahre zuvor war die Idee aufgekommen, die brasilianische Hauptstadt von der Atlantikküste ins Landesinnere zu verlegen – tausend Kilometer ausser Reichweite immer wiederkehrender Invasoren von See.

1956 wurde der Grundstein gelegt – mitten im Nichts. In nicht mal vier Jahren stand die neue Stadt, heute Weltkulturerbe.

Maria da Gloria Soares liebt ihre Stadt, in deren Grossraum heute 3,5 Millionen Menschen leben:

“Ich war noch ein Kind, als ich nach Brasilia kam. Jetzt bin ich immer noch hier, ich habe hier geheiratet, bin sogar schon Grossmutter. Für mich ist Brasilia eine Wucht.”

Oscar Niemeyer, damals knapp 50jähriger Brasilianer mit Vorfahren aus Hannover war der Mann der Stunde. Der Architekt hatte mit den Ikonen der Moderne zusammengearbeitet – Alvar Aalto, Walter Gropius und vor allem Le Corbusier. Er zeichnete alle öffentlichen Gebäude Brasílias.

Aus einem kühlen, (rechtwinkligen und eintönigen) Betonfunktionalismus wird bei ihm
eine Formensprache “aus Traum, Phantasie, Kurven und leeren Räumen”.

Bis heute pilgern Architekten aus der ganzen Welt in die Stadt – als “soziales Paradies” erklärte der 103jährige bekennende Kommunist Niemeyer das Experiment allerdings selber für gescheitert.

(3,5 Millionen Einwohner drängen sich im Ballungsraum, leiden unter Verkehrskollaps und Kriminalität. Das Schlimmste für Niemeyer: Die “unerträgliche Spaltung zwischen Arm und Reich” in seiner Stadt.)