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BHV - Ein Wahlkreis macht Belgien zu Babel

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BHV - Ein Wahlkreis macht Belgien zu Babel

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Flandern und die Zugezogenen – schon wieder hat der Sprachenstreit eine Regierungskrise ausgelöst, schon wieder stolpert Yves Leterme, schon wieder macht ein Wahlkreis Brüssel zu Babel.

In Niederländisch sprechende Flamen und Französisch sprechende Walloner teilt sich Belgien, mit einer kleinen, deutschsprachigen Minderheit. Um
die zweisprachige Hauptstadt herum liegt – in Flandern – der ebenso und ausnahmsweise zweisprachige Wahlkreis Brüssel-Halle-Vilvoorde. Die Regierung will ihn neu zuschneiden. Die dort lebenden Walloner aber wollen auf ihre Sonderrechte nicht verzichten.

Jan De Broyer, Stadtverordneter in Overijse und Mitglied von Letermes flämischen Christdemokraten,
sagt: “Es gibt einen zwei, drei Jahre alten Vorschlag
für eine Verfassungsänderung vom derzeitigen europäischen Ratspräsidenten Herman van Rompuy: Brüssel und die Kommunen drumherum zweisprachig, umgeben vom einsprachigen Flandern.”

Das aber wollen viele Flamen nicht. In einigen Kommunen, wo mehr Wallonen und Ausländer als Flamen leben, genießen diese Erleichterungen, doch die flämische Regierung hat damit Schwierigkeiten.

François van Hoobrouck, französischsprachiger Politiker in einer flämischen BHV-Gemeinde, klagt:
“Ich wurde mit 75 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt, aber die flämische Regionalregierung erkannte das nicht an, weil die Wahlunterlagen ihrer Ansicht nach nur in der Sprache der Region ausgestellt werden dürfen.”

Das wäre Flämisch gewesen. Dies spricht auch ein Barbesitzer in Overijse, dessen Frau Wallonin ist. Die Radikalität des Sprachenstreits ist ihm fremd:
“Wenn ich sehe, dass die Beamten, die bei der Gemeinde angestellt sind, kein Französisch sprechen dürfen – sie können sogar ihren Job verlieren! – aber Englisch, das dürfen sie sprechen…”

Nach der neuen Form des Zusammenlebens, vom König vor zwei Jahren gefordert, suchen die Belgier weiter. Immer wieder befürchten Beobachter, dass das Königreich darüber zerbricht.