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Der Mißbrauchsskandal - und was sich daraus so entwickelt

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Der Mißbrauchsskandal - und was sich daraus so entwickelt

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In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es die ersten Skandale um sexuellen Mißbrauch durch Geistliche der katholischen Kirche.
Die Fälle blieben isoliert, ohne Folgen.
Aufarbeitung? Fehlanzeige.
Es ging zu wie in kommunistischen Staaten:
Was dem Ansehen nach außen schadet, wird verschwiegen.

In den 80er und 90er Jahren wurden dann die USA und Frankreich durch eine erste Welle von Mißbrauchsfällen erschüttert.
Es dauerte allerdings bis 2009, ehe die beiden entscheidenden Berichte in Irland verfasst wurden, die im Vatikan dann die Mauer des Schweigens zum Einstürzen brachten.
Es handelte sich um den Bericht des Richters Sean Ryan, in dem es um mehrere Hundert Fälle von Kindern ging, die in religiösen Einrichtungen zu Opfern von sexuellem Mibrauch wurden.

Es folgte der zweite Bericht zum Thema, diesmal von der Kommission unter der Leitung der Richterin Yvonne Murphy. Er erthüllte die Schuld von 46 Geistlichen, die sich zwischen 1975 und 2004 an Schutzbefohlenen vergangen hatten.

Der oberste Bischof von Irland, Kardinal Brady, wurde von den Familien der Opfer beschuldigt, lange, viel zu lange die Augen verschlossen zu haben vor der Schuld der ihm unterstellten Geistlichen. So konnte sich der Priester Brendan Smith 40 Jahre lang an Minderjährigen vergehen.
Erst 1994 wurde er verurteilt – er starb drei Jahre später. Insgesamt rechnet man in Irland mit 15.000 mißbrauchten Kindern.

Einmal losgetreten, nahm der allzulange verschwiegene Skandal zuweilen bizzare Züge an.
In Regensburg fand sich plötzlich auch der Bruder des Papstes in die Nähe von Kinderschändern gerückt. Georg Ratzinger, ein Kirchenmusiker von Weltruf, hatte jahrzehntelang den berühmten Chor “Regensburger Domspatzen” geleitet.
Und dabei gelegentlich auch Ohrfeigen ausgeteilt.
Wie häufig, wenn ein Thema die Medien beherrscht, wird zusammengestellt, was nicht zusammengehört.
Da wird zuweilen vergessen, dass erst mit der Bewegung der “68er” auch die alten Erziehungsmethoden weichen mussten, bei denen Schläge und Demütigungen als “hilfreich” bei der Erziehung galten.
Mag sein, dass an manchen Stellen die Übergänge zum sexuellen Mißbrauch fließend waren.

Den deutschen Theologieprofessor auf dem Papststuhl hat dieser Skandal jedenfalls kalt erwischt. Benedikt der XVI. kann sich nirgens mehr sehen lassen, ohne auf Opfer zu treffen, die Transparenz, Entschuldigung und oft auch Bestrafung der Täter verlangen. Zuletzt war das am vergangenen Wochenende auf Malta zu erleben, wo der Papst eigentlich ein Kirchenjubiläum begehen wollte. Vor 1950 Jahren war das Schiff, das Apostel Paulus nach Rom bringen sollte, wo ein Hochverratsprozess auf ihn wartete, vor Malta im Sturm gestrandet. So kam der christliche Glauben auf die kleine Mittelmeerinsel.