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Gibt es ein "Vatikan-Gate"

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Gibt es ein "Vatikan-Gate"

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Spätestens seit diese Bilder um die Welt gingen, gibt es bei der Beschäftigung mit der katholischen Kirche in den Medien eigentlich immer nur ein Thema. Im Februar traf der Papst die irischen Bischöfe. Nach dem sogenannten “Murphy-Report” über den sexuellen Mißbrauch an Kindern durch katholische Geistliche war diese Kirche in eine Glaubwürdigkeitskrise geraten, wie sie möglicherweise seit dem Ablaßhandel am Vorabend der Reformation nicht größer war.
Der Papst bekundete in einem Brief sein tiefes Bedauern, der oberste irische Bischof liest vor:
“I offer to each and every survivor my apology, my sorrow and my shame for what happend.”

Der Stellvertreter Christi auf Erden höchstpersönlich bat Opfer um Vergebung, sprach von Bedauern und Scham.
Wann hat es das je gegeben!
Und was hat es genützt?
Dieser Papst war in seinem vorigen Amt lange, sehr lange Zeit der oberste Hüter des Glaubens.
Marco Politi, der sich als Papst-Biograph im Vatikan bestens auskennt, erinnert daran, dass Kardinal Ratzinger in eben jener Funktion ihm bekannt gewordene Mißbrauchsfälle zum vatikanischen Staatsgeheimnis machte. Und von dem Papst Ratzinger werde nun eine Art Kehrwende erwartet. Plötzlich soll er lernen, rasch und offen antworten, eine Politik der Transparenz betreiben.

In einem der vielen Leitartikel zum Thema war in einer großen deutschen Tageszeitung von der katholischen Kirche “ als durch den Mißbrauchsskandal Verletzerin und verletzt gleichzeitig” die Rede, gar von “ einem weltfremden Papst, der zur tragischen Person” werde.

Der Anwalt, der viele Opfer vertritt, verweist auf eine Linie der Verantwortung, die ganz klar nach Rom führe.

Der Theologieprofessor Joseph Ratzinger wurde zum Papst gewählt in einer Zeit sich wandelnder Weltläufe. Aus einer bi-polaren war eine multi-polare Welt geworden, Gut und Böse wurden neu gewichtet. Da hatten jene, die ihn wählten, vor 5 Jahren womöglich auf einen neuen Aufbruch für ihre Kirche gehofft. Doch der wird weggeschwemmt von der Welle des Mißbrauchsskandals.