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Interview Pater Frederico Lombardi

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Interview Pater Frederico Lombardi

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euronews:
Die Welt kritisiert das ursprüngliche Schweigen der Kirche zum sexuellen Mißbrauch durch diverse Priester.
Nun ist die Blase geplatzt. Was halten sie von dieser Art von Wut der Medien gegenüber dem Vatikan und dem Papst? Was steckt hinter dieser Welle der Kritik?

Padre Frederico Lombardi:
Sie müssen verstehen, was die Kirche ausmacht, wie sie organisiert und strukturiert ist.
Von außer erscheint sie da oft als monolitischer Block, wie eine große zentrale Organisation – aber dieses Bild stimmt nicht.
Das muss man ganz genau verstehen.
Ich denke, wir haben mit den Medien noch einen langen Weg vor uns, ehe sie es besser verstehen, deshalb halte ich auch nicht soviel, von der Idee einer “Aggression” oder eines “Anschlags”.
Meine Idee geht eher in die Richtung der Suche nach Wahrheit, Objektivität, nach der realen Natur des Problems.

euronews:
Was macht die Kirche so blind für die realen Fakten?

Padre Frederico Lombardi:
Das große Problem, alles zudecken zu wollen, geht zurück in die Zeit, als wirklich noch eine andere Kultur der Diskretion bei diesen und jenen Fragen herrschte. Nicht nur in der Kirche sondern in der Gesellschaft ganz allgemein.
Es gibt eine Art von über allem stehende Verantwortung, die heute nicht länger entschuldbar ist und die heute nach einem sehr radikalen, tiefen Bemühen um Transparenz und Klarheit verlangt.

euronews:
Meinen Sie, die Kirche habe durch die Skandale an Glaubwürdigkeit verloren?

Padre Frederico Lombardi:
Objektive Beobachter verstehen, dass es nicht allein ein Problem der katholischen Kirche ist, es ist ein Massendelikt, das es auch in anderen Bereichen der Gesellschaft gibt, nicht nur in der Kirche.
Sehr oft tritt das Gegenteil von den zutage, was offiziell gelehrt wurde, eine Abweichung von den offiziellen Moralwerten. Dies Werte werden offensichtlich besonders schlimm in jenen Institutionen verletzt, die für sich beanspruchen, einen moralische Autorität zu vertreten.

euronews:
Verzeihen ist eine der größten Stärken der katholischen Religion. Heute muss die katholische Kirche selbst um Vergebung bitten. Aber wie? Wird sich ihre Beziehung zu Gewissen und Treue ändern?
Oder wird es eine Wende in der Mission der Kirche geben?

Padre Frederico Lombardi:
Vergebung erlangen, verlorene Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, das ist natürlich mit dem gesamten Tun verbunden. Das hat mit dem Verhalten zu tun. In diesem Sinne ist alles zu sehen, was unternommen wird. Dialog, zuhören, helfen, alles was für die Opfer getan wird, all die Vorbeugungsmaßnahmen, die bessere Ausbildung der Kandidaten für den Priesterberuf, all das wird doch am Ende getan, weil wir die volle Glaubwürdigkeit zurückgewinnen wollen.

euronews:
Die Kirche, verwundet und versündigt, ist auf Abstand gegangen zu den Priestern, die sie verraten haben.
Das endgültige Urteil wird von der Geschichte und den Gläubigen gesprochen, die bisher den Ratzinger-Papst noch nicht im Stich gelassen haben.