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"Die Eurozone wird nicht zerbrechen"

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"Die Eurozone wird nicht zerbrechen"

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Vertreter des IWF, der EU und der EZB sind in Athen, um die möglicherweise größte finanzielle Rettungsaktion der Geschichte zu starten. Aber die deutschen Bedenken, dem – wie vielerorts zu hören ist – “verschwenderischen” Griechenland Geld zu geben, könnten der griechischen Wirtschaft den Todesstoß versetzen. Für Euronews hat Jon Davies mit Simon Tilford vom Londoner “Center for European Reform” gesprochen.

EN:
Mr. Tilford, wie nah ist die Eurozone an einem Kollaps – oder wird das überzeichnet?

Tilford:
Das wird überzeichnet. Es gibt verständliche Zweifel hinsichtlich der Nachhaltigkeit der griechischen Mitgliedschaft in der Eurozone, aber darüber zu sprechen, dass die Eurozone zerbrechen oder sich auflösen könnte, ist einfach Panikmache.
Es ist unvermeidlich, die Schulden in diesem Fall umzustrukturieren. Die Ansteckung Portugals ist nicht nur eine Möglichkeit, das passiert bereits. Aber nur wenn die Märkte sich nicht beruhigen oder die EU nicht die dazu notwendigen Schritte setzt, nur dann würden die Investoren portugiesische Anleihen meiden und dann könnte sich Portugal schnell in einer ähnlichen Situation wie Griechenland finden.

EN:
Welche Rolle spielen die Ratingagenturen bei all dem? In den letzten Tagen haben sie Griechenland, Portugal und Spanien abgewertet. Wie kann eine Gruppe in Verruf geratener Ökonomen in New York so einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf die Volkswirtschaften in Europa haben?

Tilford:
Die Banken hätten keine großen wirtschaftlichen Entscheidungen auf Basis der Empfehlungen dieser Agenturen treffen sollen. Ich glaube nicht, dass es eine Verbesserung wäre, wenn man sie mit einer staatlich finanzierten EU-Ratingagentur ersetzte. Es gäbe wohl das Potential für einen entsprechenden politischen Kompromiss, aber wir brauchen weit eher eine Reform der bestehenden Ratingagenturen. Der Zeitpunkt der Abwertungen war jedenfalls sehr schlecht gewählt.