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"Die Regierung in Portugal muss Glaubwürdigkeit zeigen"

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"Die Regierung in Portugal muss Glaubwürdigkeit zeigen"

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Die portugiesische Regierung will der Schuldenfalle entkommen. Man werde alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um das Vertrauen der Anleger in portugiesische Anleihen wieder herzustellen, sagte Ministerpräsident José Socrates vor dem Parlament in Lissabon.

Socrates will bis 2013 das Budgetdefizit von 9,4 auf 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts drücken, und zwar mit einem strengen Sparplan, den selbst die Opposition mittragen dürfte. Tatsächlich geht es für Portugal um viel, schließlich wurde das Land vor kurzem von der Ratingagentur Standard & Poor’s abgewertet; die Risikoaufschläge auf portugiesische Anleihen stiegen umgehend an, gingen später aber wieder zurück.

Für Euronews hat Ricardo Figuera mit einem Experten gesprochen: mit dem Wirtschaftswissenschaftler und früheren portugiesischen Finanzminister Eduardo Catroga.

EN:
Herr Professor, kann man denn Ihrer Meinung nach die Situation in Portugal und Spanien mit jener in Griechenland vergleichen?

Catroga:
Die Lage in Portugal und Spanien ist ganz anders als jene in Griechenland. Für die Regierung in Athen geht es um ein schwerwiegendes Liquiditätsproblem. Aber man muss sagen, dass es doch einige gemeinsame Aspekte gibt, und die haben vor allem mit strukturellen Fragen zu tun, mit der Höhe der Auslandsverbindlichkeiten.

EN:
In Portugal hat die Regierung erneut bestätigt, dass sie an einigen sehr ambitionierten Projekten festhalten will, etwa am Hochgeschwindigkeitszug zwischen Lissabon und Madrid oder am neuen Lissaboner Flughafen. Kann das Land sich das überhaupt leisten?

Catroga:
Die Regierung, allen voran der Ministerpräsident, hat Probleme damit, einzusehen, dass die internationale finanzpolitische Lage sich seit 2008/2009 verändert hat. Wenn die Regierung jetzt an Projekten festhält, die sich vielleicht in 20 Jahren rentieren werden, aber sicher nicht in den nächsten fünf oder 10 Jahren, dann halte ich das für einen Fehler. Die Regierung muss Geradlinigkeit und Glaubwürdigkeit zeigen. Sie wird viele Maßnahmen durchsetzen müssen, etwa eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, sie wird der portugiesischen Bevölkerung um Opfer abverlangen müssen, aber gleichzeitig muss sie auch die Ausgaben senken. Wir befinden uns in einer Situation, die Anstrengungen aller führenden Politiker in der Eurozone nötig macht, um die Stabilität der Währung zu verteidigen. Aber das ist nicht genug: Die Regierungen müssen auch ihre Hausaufgaben machen.