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Koalition in Großbritannien immer wahrscheinlicher

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Koalition in Großbritannien immer wahrscheinlicher

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In letzter Verzweiflung der Labour-Partei kommt der Altmeister seinem langjährigen Weggefährten zu Hilfe: Die Partei habe noch immer gute Chancen auf den Sieg, bekräftigte Tony Blair bei einem Wahlkampfauftritt.

Doch auch bei der letzten Fernsehdebatte blieb Premierminister Gordon Brown erfolglos. Laut Umfragen wollen nur etwa 27 Prozent für Labour stimmen. Weiterhin liegen die Konservativen unter David Cameron mit gut 34 Prozent vorn. Zum Allein-Regieren reicht das nicht. Ungewohnt für das Königreich, das vor über dreißig Jahren das letzte Mal solch einen Wahlausgang hatte.

Die Politikforscherin Kate Davies ist sicher: “Ein Parlament mit unklaren Mehrheiten ist derzeit das Wahrscheinlichste. Falls die Tories ihre Mehrheit noch ausbauen können, kann sich die Lage ändern, aber mit nur einer Woche, die vor den Wahlen bleibt, sieht es nach unklaren Mehrheiten aus.”

Damit bleiben Nick Cleggs Liberaldemokraten potenziell die Königsmacher, sie liegen etwa gleichauf mit Labour. Wegen des Mehrheitswahlrechts haben sie aber weniger Chancen, in den einzelnen Wahlkreisen auch Parlamentssitze zu ergattern.

“Eine der Hauptforderungen der dritten Partei in unserem Lande, der Liberaldemokraten, ist die Änderung des Wahlsystems. Kommt es zu einem Parlament mit unklaren Mehrheiten und bekommen sie die Reform als Teil des Deals, dann werden sie bei künftigen Wahlen noch besser abschneiden. Dann werden Koalitions- oder Minderheitsregierungen unvermeidlich sein”, meint der Verfassungshistoriker Philip Cowley.

Kritik am britischen Wahlsystem, das kleinen Parteien weniger Chancen lässt, gibt es seit Jahrzehnten. Vielleicht kommt es nun, mit einer Koalitionsregierung, zur Reform. Vielleicht finden sich die Briten auch mit einer Minderheitsregierung wieder.