Eilmeldung

Eilmeldung

Spannung bei britischer Wahl

Sie lesen gerade:

Spannung bei britischer Wahl

Schriftgrösse Aa Aa

Nach einem erbitterten Endspurt im Wahlkampf fällt
nun die Entscheidung: Millionen Briten haben über ihre nächste Regierung entschieden. Der Ausgang dieser Wahl war so offen wie seit langem nicht mehr.

Der Labour-Partei von Regierungschef Gordon Brown droht dabei eine Schlappe, nach dreizehn Jahren an der Macht.

Die konservativen Tories führten in letzten Umfragen, können aber auch nicht auf eine absolute Mehrheit im Parlament rechnen.

Entscheiden wird wohl letztlich, wie gut die kleineren Liberaldemokraten abschneiden. Sie sind im Aufwind, seit sich die beiden großen Parteien letztes Jahr in den Spesenskandal verwickelten.

Ihr Parteichef Nick Clegg wirkt außerdem jugendlich und frisch, ähnlich wie sein konservativer Gegner David Cameron – und ganz anders als Gordon Brown.
In den drei Fernsehdebatten vor der Wahl schnitt Clegg in der Zuschauergunst am besten ab.

Möglicherweise können die “LibDems” nach dieser Wahl erstmals mitregieren. Allerdings entscheiden bei einer britischen Parlamentswahl nicht die Prozente, sondern die gewonnenen Wahlkreise – 650 Sitze stehen dabei zur Wahl.

Im Extremfall könnte Labour sogar die wenigsten Stimmen der drei Parteien bekommen, aber trotzdem die meisten Abgeordneten stellen – wenn auch sicher in keinem Fall eine absolute Mehrheit.

Gewinnt keine Partei die absolute Mehrheit, ergibt sich ein “hung parliament”, ein Parlament in der Schwebe. Zuletzt gab es das bei der Wahl von 1974. Auch wenn dieser Zustand und damit der Zwang zur Koalitionsbildung in anderen Ländern selbstverständlich ist: Für das Königreich ist das äußerst ungewöhnlich und wird von vielen Briten auch eher als Anomalität gesehen.

Sollte es so kommen, wird auch eine Regierungsbildung diesmal wesentlich länger dauern als sonst. Normalerweise haben die Briten innerhalb weniger Stunden eine neue Regierung:
Der Wahlsieger fährt traditionell am Tag nach der Wahl zur Queen, die ihn mit der Regierungsbildung beauftragt. Am 25. Mai ist die Thronrede angesetzt, bei der die Queen das (vom Premierminister formulierte) Programm für das erste Jahr der neuen Regierung verliest.