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Wahl in Großbritannien: Keine Mehrheiten

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Wahl in Großbritannien: Keine Mehrheiten

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Die konservativen Tories erreichen bei der britischen Parlamentswahl 305 Sitze und werden stärkste Partei. Das zeigen jedenfalls die ersten Zahlen aus den Wählerbefragungen, die tagsüber durchgeführt wurden.
 
Damit feiern die Tories den ersten Sieg bei einer Unterhauswahl seit 1992; die letzten drei Wahlen seit 1997 hatte die Labourpartei gewonnen. 
 
Die Tories gewinnen dieses Mal 95 Sitze mehr als bei der letzten Wahl 2005: Trotzdem verfehlen sie aber die absolute Mehrheit von 326 Abgeordneten.
 
Die bisher regierende Labourpartei kommt demnach auf 255 Sitze, 94 weniger als beim letzten Mal. Die Liberaldemokraten würden trotz hervorragender Umfragewerte vor der Wahl nun doch überraschend einen Sitz einbüßen und hätten im neuen Parlament 61 Abgeordnete. Auf alle anderen Parteien entfallen zusammen 29 Sitze.
 
Zum ersten Mal seit 1974 bekommen die Briten damit ein “hung parliament”, ein Parlament in der Schwebe – Alltag in anderen Ländern, aber fast eine Anomalie im Königreich. Die “LibDems” könnten nun trotz ihres offenbar schwachen Abschneidens das Zünglein an der Waage werden, wenn es zwischen den großen Parteien um die Regierungsbildung geht.
 
Allerdings würden nach diesen ersten Zahlen auch Labour und Liberaldemokraten zusammen keine Mehrheit haben, wenn sie sich gegen die Tories verbünden sollten. Sie bräuchten immer noch Unterstützung, zum Beispiel von regionalen Parteien
aus Schottland oder Nordirland. Dieser Weg steht allerdings auch den Tories offen.
 
Beide großen Parteien banspruchen die Macht nun für sich. Regierungschef Gordon Brown hat zumindest schon angedeutet, dass er gerne weiterregieren würde. Er selber wurde in seinem schottischen Wahlkreis wiedergewählt. Brown nannte es seine Pflicht, seinen Teil dazu beizutragen, dass Großbritannien eine starke und stabile Regierung bekomme. Tatsächlich hätte er als
amtierender Regierungschef auch das erste Recht, die neue Regierung zu bilden – auch wenn Labour nicht gewonnen hat.
 
Das Interesse der Wähler an dieser Wahl war ungewohnt hoch. Inzwischen gibt es Berichte, laut denen Wähler an mehreren Orten ihre Stimme nicht mehr abgeben konnten. Die Wahlkommission untersucht jetzt diese Vorfälle. In einer Mitteilung sprach sie von Anlass zu ernster Sorge.
 
In einem Wahllokal im nordenglischen Sheffield wurden etwa zweihundert Menschen weggeschickt, die bis zur Schließung um 22 Uhr Ortszeit nicht mehr
an die Reihe gekommen waren. Sheffield ist der Wahlkreis von Nick Clegg, dem Chef der Liberaldemokraten.
 
Ähnliche Zwischenfälle sind auch aus Manchester und einigen Londoner Wahllokalen bekanntgeworden. Im Londoner Stadtteil Hackney wurde die Polizei gerufen, weil Wähler, die ihre Stimme noch nicht abgegeben hatten, das Wahllokal
bei Schließung nicht verlassen wollten. Die Polizisten konnten sie dann doch dazu überreden.
 
Im Stadtteil Lewisham blieben Wahllokale wegen des Andrangs eine halbe Stunde länger offen. Auch im nordostenglischen Newcastle durften einige hundert Menschen noch nach Schließung zweier Wahllokale abstimmen.