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Die Allianz der Zivilisationen - interkultureller Dialog unter UN-Schirmherrschaft

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Die Allianz der Zivilisationen - interkultureller Dialog unter UN-Schirmherrschaft

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Extremismus bekämpfen und kulturelle, religiöse sowie soziale Barrieren überwinden – das hatten sich vor Jahren der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan und sein spanischer Kollege José Luis Rodríguez Zapatero vorgenommen.

Gemeinsam mit dem damaligen UN-General-Sekretär Kofi Annan starteten sie die “Allianz der Zivilisationen” unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen. Das Ziel: Gemeinsame Handlungsansätze zu entwickeln, vor allem zwischen westlicher und muslimischer Welt.

Ende Mai kommt das Netzwerk von mehr als 2.000 Meinungsführern aus Politik, Wirtschaft und Bürgerrechtsbewegung in Rio de Janeiro zusammen, zum dritten Forum – nach den Heimspielen der Urheber in Madrid und Istanbul.

Für die Vorbereitung des Treffens in Rio gestaltet Jean-Christophe Bas Strategie und Entwicklung der Allianz am Sitz der Vereinten Nationen in New York – und er berät den Generalsekretär der “Allianz der Zivilisationen”, Portugals Ex-Präsident Jorge Sampaio. Das Gespräch führte Claudio Rocco.

euronews:
“Was erwarten Sie vom nächsten Gipfel in Rio?”

Jean-Christophe Bas:
“Ob man vom Norden des Planeten kommt, vom Süden, Osten oder Westen – es gibt heute einen Konsens darüber, was die Knackpunkte für Stabilität und Frieden sind: Sie heißen Identität, Kultur und Vielfalt. Wichtige Aufgabe dieses Gipfels ist es nun, den Dialog zwischen den Kulturen nachhaltig in der internationalen Gemeinschaft zu etablieren.”

euronews:
“Was haben Sie während des Gipfels konkret vor?”

Jean-Christophe Bas:
“Die Probleme von Identität und kultureller Vielfalt müssen in den Stadtvierteln gelöst werden, auf der Straße, zwischen den lokalen Gemeinschaften. Also stellen wir auf dem Gipfel von Rio eine Reihe von Akteuren vor, die Außerordentliches geleistet haben – ohne Öffentlichkeitsarbeit oder Zugang zu Medien und Werbung.”

euronews:
“Was meinen Sie konkret?”

Jean-Christophe Bas:
“Ich meine da eine ganze Reihe von Nicht-Regierungs-Organisationen in Europa, Asien, Afrika, wo lokale Akteure Mittel und Wege gefunden haben, Menschen unterschiedlicher Kultur, Herkunft, Identität zusammenzubringen.”

euronews:
“Der ‘Dialog zwischen den Zivilisationen’ war auch eine Reaktion auf die konservative Außenpolitik der Regierung von George W. Bush, die auf militärische Vormacht setzte. Diese Bush-Doktrin hat sein Nachfolger Barack Obama durch den politischen Dialog ersetzt…”

Jean-Christophe Bas:
“Jeder Präsident hat seinen eigenen Stil. Präsident Obama hat einen Teil seiner Kindheit in Indonesien verbracht, hat afrikanische Wurzeln – er ist selbst eine Art “Allianz der Zivilisationen”! Zur Zeit haben wir eine Art Umschwung, dass die USA sich wieder in die internationale Gemeinschaft einbringen und gemeinsam mit dem Rest der Welt versuchen, Lösungen für die aktuellen Herausforderungen zu finden.”

euronews:
“Das Problem der Polarisierung, oder des Zusammenpralls der Zivilisationen ist in Europa ein sehr sensibles Thema – nicht zuletzt wegen der Migration. Sie thematisieren das in Ihrem Buch: ‘Europe à la carte’. Wie sehen Sie das Problem?”

Jean-Christophe Bas:
Migration wird das Hauptproblem des 21. Jahrhunderts sein. Unsere Gesellschaft, unsere Identität verändern sich tiefgreifend. Und eine Identität ändert sich immer in Schmerz und Angst, vor allem in Europa. Noch vor 25 Jahren lebte hier fast ein Viertel der Weltbevölkerung. Heute sind es gerade mal 12 Prozent. Kein Wunder, dass sich die Leute ängstlich fragen: ‘Sind wir in einer globalisierten Welt eigentlich noch auf der Höhe der Zeit?’

Ich glaube, da bestehen ganz reale Befürchtungen. Die Antwort ist ein besseres Verständnis der kulturellen Vielfalt und der Versuch, Zuwanderer dafür zu gewinnen – oder wiedergewinnen – zu Wegweisern oder Vermittlern zu werden in einem Prozess des Dialogs zwischen den Kulturen, zwischen den Ländern, in denen sie arbeiten und aus denen sie kommen. Hier, denke ich, liegt der Kern der Probleme in Europa.”