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Baltasar Garzon: Der Unverwüstliche

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Baltasar Garzon: Der Unverwüstliche

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Seit 1988 arbeitete Baltasar Garzon am Nationalen Gerichtshof in Madrid, der für besonders schwere Straftaten wie Terrorismus zuständig ist. Nach der Entscheidung an diesem Freitag hatte der Untersuchungsrichter Tränen in den Augen. Für Aufsehen sorgte Garzon erstmals, als er das Schicksal von mehr als 100.000 Franco-Gegnern klären wollte, die am Ende des spanischen Bürgerkrieges und zu Beginn der Franco-Diktatur ermordet und in Massengräbern verscharrt worden waren. Noch heute spaltet das die Spanier: Die Rechte ist gegen diese Art der Vergangenheitsbewältigung, die Angehörigen der Opfer wollen wissen, was mit ihren Großeltern geschehen ist. Danach wandte sich Garzon dem Kampf gegen den Terrorismus vor allem der baskischen Untergrundorganisation ETA und gegen den Drogenhandel zu. Das verhalf ihm auch zu seinem Posten als Anti-Drogenbeauftragter der sozialistischen Regierung von Felipe Gonzales. Mit seinen Untersuchungen zur sogenannten GAL-Affäre allerdings trug Garzon maßgeblich zum Sturz eben dieser Regierung bei. Er wies deren Verwicklung in das Vorgehen paramilitärischer Gruppen gegen mutmaßliche ETA-Mitglieder nach. 28 Menschen wurden dabei getötet – ein klarer Fall von Staatsterrorismus. International bekannt wurde Garzon, als er 1998 mit einem internationalen Haftbefehl die Festnahme des chilenischen Ex-Diktators Augusto Pinochet bei einem Besuch in Großbritannien erwirkte. Von da an war er regelmäßiger Gast an zahlreichen Universitäten auf der ganzen Welt, sogar für den Friedensnobelpreis wurde er vorgeschlagen. Feinde machte sich Baltasar Garzon zuletzt, als er vor gut zwei Jahren einen Korruptionsskandal aufdeckte, in den zahlreiche Politiker der konvervativen Volkspartei PP verwickelt sind. Jetzt muss der Untersuchungsrichter selbst ein Berufsverbot von bis zu 20 Jahren befürchten.