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Klimaerwärmung macht Britannien zum Weinland


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Klimaerwärmung macht Britannien zum Weinland

265 Weinanbaugebiete mit 15 unterschiedlichen Weinarten – diese Weinregion befindet sich nicht in Frankreich oder Italien, sondern in Grossbritannien. Das grösste Weinanbaugebiet der Insel ist nur 20 km von London entfernt. Klimaerwärmung sei dank! Für Englands Wein jedenfalls sind die steigenden Temperaturen ein Glücksfall.

überall in den britischen Weinbergen wird geerntet was das Zeug hält. Das warme, feuchte Wetter dieses Jahr bescheert den Winzern eine besonders gute und reichhaltige Ernte. Marcus Sharp ist Manager des Weinguts Winery und erwartet den neunten hervorragenden Jahrgang in Folge:
“Es ist eine wirklich gute Ernte, reife Erträge und davon eine ganze Menge. Die allgemeine Fruchtreife hat sich deutlich verbessert. Das Volumen ist angestiegen, der Zuckeranteil hat sich erhöht und der Säureanteil ist zurückgegangen.”

Das sei erst der Beginn einer wahren, englischen Weinrevolution, frohlocken schon einige Experten. Der britische Wein könnte sich in kürzester Zeit komplett verändern, wenn die Temperaturen in der Form steigen wie vorrausgesagt. Zwischen zwei und fünf Grad in Südengland und um 2 Grad in Schottland werden prognostiziert.

“Einige Teile Südenglands werden sogar zu warm werden, um dort Wein anzubauen. Um das Jahr 2080 könnte es sogar sein Weinanbaugebiete in den Schottischen Bergen geben. Cote d Ecosse wäre doch ein schöner Name. Und ich habe immer davon geträumt Weinberge an der nördlichen Küste von Loch Ness anzulegen. Das könnten hervorragende Terrassen für Riesling, Schönberger oder andere deutsche Weinreben sein”, sagt Professor Richard Selley. Er hat die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des englischen Weins unter die Luppe genommen:

“vor 50 Jahren gab es in diesem Land sehr wenige Weingüter. Deren Anzahl hat seit Mitte des letzten Jahrhunderts dramatisch zugenommen. Ausserdem haben wir festgestellt, dass die nördliche Grenze des Anbaugebietes sich immer weiter in Richtung englisch-schottische Grenze verschiebt.”

Die Anzahl der registrierten britischen Weingüter steigt stetig an. 2002 waren es noch 333 Güter 2008 bereits 416. Auch das Anbaugebiet weitet sich immer mehr aus. Im selben Zeitraum hat sich das Gebiet von 812 auf 1.106 Hektar vergrössert und diverse neue Reebsorten wurden angepflanzt.

Christopher White vom Weingut Denbies erklärt: “Wir bemerken hier tatsächlich die Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung. In den letzten Jahren haben wir begonnen mit neuen Arten zu experimentieren, die noch nie in Grossbritanien gewachsen sind, wie etwa Sauvignon Blanc. Vor 20 jahren sind wir das Risiko eingegangen Pinot Noir zu pflanzen, was nun eines unserer besten Produktionen ist. Die Qualität perlender Weine, die wir hier produzieren, ist sehr hoch. Wir nehmen an internationelen Wettbewerben teil und gewinnen internationale Preise. Das war vor 20 Jahren undenkbar.”

Britische Weinkenner lieben ihren lokalen Wein. Die Preise pro Flaschen haben sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Mit gut 3 Millionen verkauften Flaschen kann es der britische Wein zwar noch nicht mit der grossen französischen und italienischen Weinindustrie aufnehmen, die mehreren Billionen Flaschen pro Jahr verkaufen und unzählige Preise gewinnen, aber Klimaveränderung und neue Techniken bringen Bewegung und neue Vielfalt in die Weinindustrie.

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