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Gesinnungswechsel bei ETA-Tätern in Strafhaft

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Gesinnungswechsel bei ETA-Tätern in Strafhaft

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Fast zeitgleich mit dem Zugriff in Frankreich traf die ETA ein Schlag aus den eigenen Reihen.
Aus dem Gefängnis heraus haben acht verurteilte Bombenleger einen offenen Brief geschrieben, in dem sie sich erstmals mit den Leiden der Opfer ihrer Anschläge beschäftigen.
“Entschädigung für diese Opfer” heisst es in den Text, den alle großen spanischen Zeitungen veröffentlichen.
Zu den Unterzeichnern gehört Joseba Urrusolo Sistiaga, ehemals die Nummer 3 der ETA. Er befehligte das “Kommando Madrid”, das in den 80er Jahren in der Hauptstadt Bomben legte.
Er verbüsst eine Freiheitsstrafe von 83 Jahren.
Im Gefängnis wandelte sich der Saulus zum Paulus.
Ebenso wie seine ehemalige Kampfgefährtin Carmen Guisasola, die in der Haft auch zu neuen Einsichten gelangte und nun einen friedlichen Weg für die Basken befürwortet. Weg von der Strategie des Terrors. Der Mann, der für den Bombenanschlag auf einen Supermarkt in Barcelona 1987 mit 21 Toten verantwortlich war, Rafael Caride Simon, ruft jetzt alle verurteilten ETA-Täter in den Gefängnissen auf, sich dort an die Ordnung zu halten. Die offizielle ETA-Linie verlangt von den Verurteilten nämlich, den “Kampf hinter Gittern” weiterzuführen. Statt dessen rufen nun diese acht Häftlinge alle mehr als 500 ihre Strafen absitzenden ETA-Leute auf, sich nach dem Vorbild der IRA aus dem Gefängnis heraus für Versöhnung und eine friedliche Lösung einzusetzen.
Das widerspricht völlig der ETA-Ideologie, die ihre für Mordanschläge verurteilten Mitglieder als Märtyrer für das “ unterdrückte baskische Volk” darstellt. Da bei der weitgehenden Autonomie des Baskenlandes mit Medien und Schulunterricht in der eigenen Sprache, mit reichlich EU-Fördergeldern dazu, schwer Belege für Unterdrückung zu finden sind, müssen die verurteilten Bombenleger herhalten.