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Leerverkauf-Verbot: Brüssel will nachziehen

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Leerverkauf-Verbot: Brüssel will nachziehen

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Deutschland hat mit seinem Verbot für riskante Börsenwetten auf fallende Kurse seine europäischen Nachbarn überrumpelt und die EU in Zugzwang gebracht. In Brüssel wurden über den Alleingang der Bundesregierung Beschwerden laut. Nicht zuletzt weil als Reaktion auf den Vorstoß, der Euro zwischenzeitlich auf ein neues Vier-Jahres-Tief gegenüber dem Dollar fiel.
Für den Europa-Experten Karel Lannoo ist der Mangel an Koordination nichts Neues:

“Zu Beginn der Finanzkrise im September-Oktober 2008 haben mehrere Mitgliedsstaaten Massnahmen zu den ungedeckten Leerverkäufen ergriffen, ohne sich mit den anderen abzusprechen.
Und heute wird ersichtlich, dass sie anscheinend immer noch nicht europaweit zusammen arbeiten.
Vielleicht hatten sie das Gefühl, schnell handeln zu müssen, aber das zeigt, dass es in den meisten Hauptstädten keinen europäischen Reflex gibt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien, das eigenmächtig ein Gesetz zu europäischen Banken verabschiedet hat.”

Frankreich und die Niederlande kündigten an, dass sie dem deutschen Vorstoß nicht folgen würden.
Der Präsident der Kommission, Jose Manuel Barroso, indes, zeigte Verständnis und betonte, dass jetzt Beschlüsse zur neuen europäischen Börsenaufsicht gefordert seien. Das Problem müsse schnell angegangen werden.

Über den deutschen Beschluss soll beim Treffen der europäischen Finanzminister am Freitag in Brüssel diskutiert werden. EU-Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier hat bereits einen Vorschlag für ungedeckte Leerverkäufe für Oktober angekündigt.