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Einmal googeln = eine Stunde Licht

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Einmal googeln = eine Stunde Licht

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Wie für viele Europäer ist das Internet für Ismaila aus Genf Alltag. Es beginnt beim Frühstück mit einer Abfrage ihrer Mails auf dem Handy. Dann geht es weiter auf einem Sprung zum Computer – es ist gerade mal acht Uhr morgens – in Richtung Facebook. All dies mag harmlos und unschädlich aussehen. Doch diese Aktivitäten haben reale Auswirkungen auf die Umwelt. Und das geht so:

Nehmen wir zum Beispiel Ismailas Recherchen an diesem Morgen. Die junge Frau nutzt die Suchmaschine Google, um die Seite der öffentlichen Verkehrsbetriebe Genf zu finden. Nun – dieser einzige Anlauf mobilisiert die gleiche Energie, die eine Glühbirne eine Stunde lang brennen lässt.

Denn für die Auskunft an Ismaila nutzt Google eines seiner Rechenzentren, und die verbrauchen viel Strom. Hier wird aus Virtualität Realität !

Wir sind irgendwo in Genf, im größten Rechenzentrum der französischen Schweiz. Genauer geht’s nicht, diese Anlage unterliegt höchster Geheimhaltung. Hier, auf acht Etagen, lassen Yahoo, die Vereinten Nationen und die größeren Banken rechnen. Einer der Gründer der Firma SAFE HOST führt uns herum. Zu seinen Kunden zählen auch die Genfer Verkehrsbetriebe.

FAIZ TANDON, SAFE HOST:
“Hallo, mal sehen, was Ismaila mit ihrer Suche alles in Gang setzt. Wahrscheinlich ist Ismailas Suchanfrage nach ihrer Busverbindung genau in dieser Maschine hier in einem unserer Server-Räume gelandet. “

Die 13.000 Computer im Rechenzentrum verbrauchen enorm viel Strom. Das Unternehmen konsumiert Millionen Kilowattstunden pro Jahr, auch um ihre Server zu kühlen.

Wenn Ismaila zu Hause surft, setzt sie diese Maschinenparks des einundzwanzigsten Jahrhunderts in Bewegung. Weltweit verbrauchen sie dreimal so viel Energie wie die Schweiz.

GERARD SIKIAS, CHEF VON SAFE HOST:
“Heute ist leider alles auf EDV umgestellt. Sie wollen einen Platz im Flugzeug reservieren, etwas überweisen oder kaufen – da brauchen Sie schon die Dienste eines ganzen Rechenzentrums.”

Zurück zu unserer Freundin der neuen Technologien. Ismaila sitzt jetzt in ihrem Bus, dabei hängt sie weiter im Netz, um ihr Büro zu erreichen.

Einen Großteil ihres Tages wird sie im Internet verbringen – dabei lässt sie zahllose Server und Telefon-Relais rotieren …

Zürich. Hier sitzt ein Spezialist für die öko-Kosten der neuen Technologien. Vor ein paar Jahren hat Bernard Aebsicher einen Index erstellt, um diesen Verbrauch zu schätzen. Auch ihm fällt ein Zurückrudern schwer. Aber im Alltag könnte jeder per Gewohnheit die Verschwendung eindämmen.

BERNARD AEBSICHER, Forscher an der
ETH Zürich:
“Nutzen Sie die Option “Strom-Mangement” auf Ihrem Computer. Schalten Sie die Geräte ab, die Sie nicht brauchen. Passen Sie auf, wenn Sie neue Geräte kaufen. Braucht man das wirklich alles ? Muss es unbedingt das Schönste, Teuerste und Größte sein? “

Der Versuchung der Technik widerstehen – das sagt sich einfach … aber ein Problembewusstsein, das wäre schon ein erster Schritt.

Und an der Industrie wäre es, die Leistung ihrer Rechenzentren zu verbessern. Zum Beispiel durch Kühlung per Außenluft.