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Stockholm: Europas Grüne Hauptstadt 2010

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Stockholm: Europas Grüne Hauptstadt 2010

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Eine skandinavische Stadt mit Leidenschaft für den Umweltschutz. Stockholm ist dieses Jahr Europas erste Grüne Hauptstadt und gilt damit als Vorbild im urbanen Kampf gegen Luftverschmutzung, Verkehrschaos und den Ausstoß von Treibgasen. Seit 1990 ist hier die Co2-Emission pro Einwohner um 25% zurückgegangen. Im Jahr 2050 will Stockholm von fossilen Energien gänzlich unabhängig sein.

Gunnar Sonderholm von Amt für Umwelt und Gesundheit ist angesichts der bisherigen Fortschritte optimistisch:

“Heute sind 80% unserer Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen. 83% der darin erzeugten Energie kommt aus nicht-fossilen Quellen. Bis 2015 möchten wir unseren CO2-Ausstoß weiter drosseln, auf 3 Tonnen pro Einwohner und Jahr. Im Moment sind wir bei 3,4 Tonnen, was im europäischen Vergleich, sechs bis acht Tonnen, gut ist – mit Blick auf die USA, dort sind es 20 Tonnen, sogar sehr gut.”

Wer in Stoßzeiten mit dem Wagen in Stockholms Innenstadt will, muss zahlen. In nur vier Jahren konnte so das Pkw-Aufkommen um 20% reduziert werden. Immer mehr Stockholmer steigen auf das Schienennetz um – und das wird aus erneuerbaren Energien, aus Wind und Wasserkraft gespeist. Mehr als 750 Kilometer Radweg ziehen sich durch Stockholm. Die Zahl der Radler hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Eine Chance für nachhhaltige Energiewirtschaft sieht Gunnar Sonderholm auch im Nahverkehr:

“50% aller Reisen im Nahverkehr legen die Stockholmer mit der Ubahn zurück. Die Energie für unsere Busse kommt zu 50% aus nicht fossilen Ressourcen. 79% aller Pendler nutzten im letzten Jahr den öffentlichen Nahverkehr.”

Hammarby Sjöstad. Ein Stadtteil Stockholms, der sich ganz dem Energierecycling verschrieben hat. Die Infrastruktur des in den neunziger Jahren geplanten Viertels setzt bei der Energieversorgung seiner Bewohner auf die Verwertung von Abfall und Abwasser. Dieses Konzept findet zwar in ganz Stockholm Anwendung, wird aber in diesem Stadtteil besonders ernst genommen:

Malena Karlsson ist Sprecherin des energiesparenden Wohnprojekts Glashusett. Sie erklärt die Funktionsweise der Häuser im Stadtteil:

“Die Menschen in Hammarby Sjöstad beziehen ihre Energie zwar nicht vollständig aus dem eigenen Haushalt. Unser Ziel ist jedoch, dass zumindest 50% der verbrauchten Energie von ihnen selbst kommt – zum Beispiel aus dem Abwasser. Wir nutzen gebrauchtes Wasser und heizen damit die
Häuser.”

Wer hier wohnt, ist nicht zwangsweise Umweltaktivist. Die Ausstattung der Häuser im Viertel macht den Umweltschutz kinderleicht und somit alltagstauglich. Hochwertige Wärmedämmung gehört ebenso zur Standardausrüstung wie wassersparende Toilettenspülungen und Duschen.

Bewohnerin Maria Billinger leuchtet das Konzept ein:

“Es bringt die Menschen zum Nachdenken über den Umgang mit den Dingen. Das hatten wir bisher in anderen Stadtteilen nicht. Das ist gut.”

In Hammarby Sjöstad ermöglicht ein Vakuumtransportsystem die Wiederverwertung von Abfallprodukten: Zu hause trennen die Einwohner ihren Müll und werfen ihn dann draußen in eines der Abfallrohre.

Der Ingenieur Carl Johan Mawe hat an der Entwicklung des Entsorgungssystems mitgearbeitet:

“Der Abfall wird in ein unterirdisches Röhrensystem gesogen, hin zu einer Sammelstelle, etwa zwei Kilometer von hier. Zeitungen werden recyclt, Essensreste werden zu Dünger oder Biogas. Was wir verbrennen, kommt als Energie zurück, zum Beispiel durch die Fernwärmeleitung.”

Stockholm hat eine lange Tradition was engagierten Umweltschutz angeht – und ein Konzept, dass auf die Zusammenarbeit von Industrie, Handel und Regierung setzt – vor allem aber auf seine Bürger.