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Pakistans Ministerpräsident: "Wir kämpfen aus eigenem Interesse gegen die Taliban"

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Pakistans Ministerpräsident: "Wir kämpfen aus eigenem Interesse gegen die Taliban"

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Yousuf Raza Gilani ist seit 2008 Pakistans Regierungschef. Dieser Tage war er in Brüssel, um die politischen und die Handelsbeziehungen zwischen seinem Land und der Europäischen Union zu stärken. Pakistan, das sich nach dem 11 September 2001 der von den USA geführten Kampagne gegen den islamistischen Terrorismus anschloss, hat vor allem mit Aufständischen im eigenen Land zu kämpfen. Eine Lagebeschreibung.

euronews:
“Herr Ministerpräsident, macht Pakistan sich Sorgen um die Lage im Nahen Osten? Vor allem nach den Vorfällen auf den Boote mit Hilfslieferungen für Gaza.”

Yousuf Raza Gilani:
“Nach diesem Vorfall gab es ein viel Wut und die Menschenrechtsverletzungen Gaza wurden von vielen Seiten verurteilt. Darum kamen auch viele Verbündete Israels nicht umhin, sich von den Israelis zu distanzieren.”

euronews:
“Und was denken Sie über die Rolle der Türkei? Das Land war eng mit Israel verbunden – aber die Türkei ist auch ein Vorbild für die Elite Pakistans, bezüglich der Beziehung zwischen der Religion und dem säkularen Systems im Land.”

Yousuf Raza Gilani:
“Die Türkei und Pakistan haben ausgezeichnete Beziehungen und die Türkei ist das Land, das im Rahmen einer dreiseitigen Zusammenarbeit eine Brücke zwischen Pakistan und Afghanistan gebildet hat. Außerdem hat die Türkei schon immer eine sehr wichtige Rolle wegen der Lage zwischen Europa und Asien. Und jetzt, nach diesen Vorfällen, wird die Türkei ihre Beziehungen zu Israel wohl überdenken müssen.”

euronews:
“Die Taliban bedrohen pakistanische Orte wie Lahore, eine der wichtigsten Städte des Landes. Machen Sie sich Sorgen um die Stabilität ihres Landes?”

Yousuf Raza Gilani:
“Pakistan ist entschlossen und hat den Willen, gegen Extremismus und Terrorismus zu kämpfen, aus eigenem Interesse und nicht als Stellvertreterkrieg in Afghanistan, weil die Terroristen auch unserem Land schaden. Aber natürlich, wenn wir die Extremisten in ihren Hochburgen angreifen, sind sie auf der Flucht, kommen in die großen Städte und sähen dort Panik.”

euronews:
“Wäre ein Abzug der NATO aus Afghanistan eine gute oder eine schlechte Nachricht für Pakistan?”

Yousuf Raza Gilani:
“Ich habe diese Frage bereits beantwortet. Ein Truppenabzug jetzt und ohne spezifische Strategie wäre eine Katastrophe für die ganze Welt – so wie damals, als nach dem Abzug der Sowjettruppen Amerika keine wirkliche Strategie hatte. Das Vakuum wurde dann von den Extremisten gefüllt.”

euronews:
“Pakistan hat Atomwaffen. Wie denken sie über einen Iran der Nuklearwaffen hätte?”

Yousuf Raza Gilani:
“Als nuklear-Staat sind wir sehr verantwortungsbewusst, und wir haben eine Menge Erfahrung in diesem Bereich, seit rund 35 Jahren. Unser Nuklearmaterial ist in sicheren Händen – das hat selbst Präsident Obama bestätigt. Bezüglich des Iran denke ich, das Land sollte mehr Verantwortungsbewusstsein zeigen und den Regeln der Internationalen Atomenergieorganisation sowie den internationalen Gesetzen Folge leisten.

Wir wollen, dass bezüglich Iran Verantwortungsbewusstsein vorherrscht. Sie sollten die internationalen Regeln beachten und vor kurzem hat es eine trilaterale Vereinbarung zwischen dem Iran, Brasilien und der Türkei gegeben. In Zukunft denke ich, dass man zu einem funktionierenden Kompromiss kommen wird.”

Das Gespräch führte Sergio Cantone