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Scheffer: Niederlande sollen sich stärker engagieren

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Scheffer: Niederlande sollen sich stärker engagieren

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euronews:
“Wir sind nun verbunden mit Jaap de Hoop Scheffer in Den Haag. Jaap de Hoop Scheffer war von 2004 bis 2009 NATO-Generalsekretär – und er ist Niederländer. Willkommen bei Euronews (Guten Tag), Herr de Hoop Scheffer.”

Jaap de Hoop Scheffer:
“Thank you.”

euronews:
“Herr de Hoop Scheffer, wie war Ihre erste Reaktion, als Sie hörten, dass es die Regierung über die Frage der niederländischen Beteiligung bei der Afghanistan Mission auseinandergebrochen ist? Die Mission war eine der Hauptengagement der NATO, als Sie das Bündnis führten.”

Jaap de Hoop Scheffer:
“Um es mal milde auszudrücken: Ich war schon sehr enttäuscht, da es in Afghanistan mittlerweile ein Bündnis aus 46 Nationen gibt. Ich glaube, es war eher blamabel, dass es unserer Regierung nicht gelungen war, über die Fortsetzung der niederländischen Truppenpräsenz in der südafghanischen Provinz Uruzgan zu entscheiden.”

euronews:
“Sind die Menschen in Europa oder Nordamerika weniger bereit, Auslandseinsätze zu akzeptieren, die zu Opfern unter den Soldaten führen können, die ja Ihre Mitbürger sind…?”

Jaap de Hoop Scheffer:
“Ja, ich glaube, dass der Kampf – wenn Sie mir diesen Ausdruck gestatten – um die Herzen und die Köpfe, um die Unterstützung der sich beteiligenden Nationen bewiesenermaßen ein sehr komplizierter ist. Ich muss eingestehen, dass wir es auch während meiner fünfeinhalb Jahre in Brüssel als NATO-Generalsekretär nicht völlig geschafft haben, die öffentliche Meinung davon zu überzeugen, warum wir dort sind.”

euronews:
“Können Sie die Wut der Menschen trotzdem nachvollziehen?”

Jaap de Hoop Scheffer:
“Ja, das kann ich. Denn viele NATO-Soldaten, niederländische Soldaten, haben den höchsten Preis bezahlt – bis jetzt sind es 23. Und ich habe… äh, hatte die Verpflichtung als NATO-Generalsekretär, den Müttern und Angehörigen dieser Soldaten, die den höchsten Preis bezahlt haben, zu erklären, dass sie nicht umsonst gestorben sind. Also gibt es hier meiner Meinung nach auch eine moralische Komponente, die eine Verpflichtung nicht nur für die Politiker hier, sondern überall darstellt: Unsere Präsenz energisch und dauerhaft zu verteidigen.”

euronews:
“Herr de Hoop Scheffer, kommen wir zurück auf die Niederlande: Viele Ihrer niederländischen Mitbürger wollen in Afghanistan nicht mehr beteiligt sein. Im Wahlkampf war fast kein gutes Wort über die Europäische Union zu hören. Einwanderung ist zu einem der am kontrovers diskutiertesten Themen geworden: Schottet sich dieses offene und tolerante Land ab?”

Jaap de Hoop Scheffer:
“Es gibt eine Tendenz – das kann ich nicht leugnen, ich denke, sie ist falsch und ich werde sie so lange ich kann bekämpfen – dass die Niederländer und viele Parteien denken, “wir sind lieber sicher hinter unseren Deichen, warum also sollten wir permanent im Weltgeschehen mitmischen? Warum sollten wir uns für Außenpolitik, die Europäische Union oder die NATO interessieren?” Meine Antwort darauf lautet: “Die Niederlande sind so klein, wir sind eine kleine – oder mittelgroße – Nation, wie Sie wollen. Das Problem besteht darin, wenn man sich hinter Deichen versteckt, wird man nicht gesehen, und niemand wird deine Überzeugungen ernst nehmen.”