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Belgien vor der Wahl: Separatisten vorn?

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Belgien vor der Wahl: Separatisten vorn?

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Die Belgier wählen an diesem Sonntag ein neues Parlament. Die alte Regierung war über den Sprachenstreit gestolpert. Jetzt beherrscht er den Wahlkampf.

In Brüssel, dem Zankapfel zwischen Niederländisch sprechenden Flamen und Französisch sprechenden Wallonen, versuchen die gemäßigten Parteien Einigkeit zu demonstrieren gegen die erstarkenden Scharfmacher. Der Bürger ist zur Wahl verpflichtet. Viele sind unentschieden.

“Jeden Tag bete ich: Gott, gib mir Politiker, die ich respektieren kann. Aber Gott hört mich nicht”, sagt ein Passant in Brüssel. Ein anderer meint: “Im Moment bin ich noch unentschieden, ich bin aber auch ein besonderer Fall: Ein Flame, der in Brüssel lebt und Französisch spricht, ich zögere.”

In Flandern könnten die gemäßigten Separatisten der N-VA die Christdemokraten überholen. Sie wollen die Bundesrepublik auflösen. Und die flämischen Wähler, wollen die das Land zweiteilen? “Ja!”, sagt ein Mann, “das wäre besser. Jetzt schleifen wir etwas mit, wissen Sie…” Damit ist die wirtschaftlich schwächere Wallonie gemeint.

Doch die einst tonangebenden Frankophonen wehren sich, sagt Politikwissenschaftler Marc Hooghe: “unter den Flamen sind viele sehr motiviert, sie wollen wählen gehen und zeigen: Wir verlangen mehr Autonomie. Ich denke unter den Frankophonen waren viele nicht so motiviert, aber jetzt bekomme ich den Eindruck, dass auch sie denken: Wir müssen unsere Interessen gegen die Flamen verteidigen, also werden auch sie an die Urnen gehen.”

Die rund acht Millionen Wahlberechtigten stimmen getrennt ab. Über eigene Listen und Kandidaten. Vor allem darum geht der Sprachenstreit im Brüsseler Umland. Wie schnell die Wahlen eine neue Regierung hervorbringen, ist aber unklar. Und das hemmt auch die Europäische Union: Im Juli übernimmt Belgien die EU-Ratspräsidentschaft.