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Franzosen wehren sich gegen Rente mit 62

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Franzosen wehren sich gegen Rente mit 62

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Ein geruhsames Alter unter der Sonne der Cote d’Azur: So sieht der Lebensplan vieler Franzosen für die Zeit nach ihrem 60. Geburtstag aus, wenn sie in Rente gehen. Nun allerdings zerstört die Regierung solche Träume. Sie will das Renteneintrittsalter in den kommenden Jahren schrittweise anheben, bis es im Jahr 2018 bei 62 Jahren liegen soll. Gleichzeitig wird auch die Zahl der Beitragsjahre erhöht, von derzeit 40,5 auf 41,5 Jahre. So hofft Paris, den drohenden Kollaps des Rentensystems verhindern zu können.

Arbeitsminister Eric Woerth erklärte unumwunden, länger zu arbeiten sei unvermeidbar, alles andere nicht finanzierbar, da die Lebenserwartung der Menschen ständig steige: “1980 betrug die Lebenserwartung 60 plus 17,3 Jahre für Männer und plus 22,4 Jahre für Frauen. 2009 lag sie bei 62 plus 20,8 Jahre für Männer und plus 25,2 Jahre für Frauen.” Während also die Rentenkasse 1980 im Schnitt 17,3 Jahre für einen männlichen Pensionär aufkommen musste, wird sie selbst nach der Reform mittlerweile rund 20,8 Jahre lang zahlen müssen.

Im europäischen Vergleich liegt das derzeitige französische Renteneintrittsalter rekordverdächtig niedrig. Dennoch stemmen sich die Sozialisten, darunter deren ehemaliger Chef François Hollande, gegen die Regierungspläne. “Diese Reform verlangt jenen noch mehr ab, die früh ins Berufsleben eingetreten sind, die die schwierigsten Jobs ausüben und die am in Jahren gemessen am längsten gearbeitet haben.”

Dabei wäre das französische Rentensystem auch nach der Reform noch eines der großzügigsten in Europa. Das allerdings beeindruckt die Franzosen wenig. “Es gibt so viele Jugendliche ohne Arbeit”, beklagt sich ein Rentner, “und jetzt sollen plötzlich die Alten noch mehr arbeiten.” Auch bei den Jüngeren kommen die Regierungspläne nicht gut an: “Die Alten haben viel gearbeitet, vor allem jetzt nach der Krise, sie würden gern zu arbeiten aufhören.”

Bis 2018, so die Pläne der Regierung, sollen die Konten der Rentenkasse ausgeglichen sein. Allerdings: Das Rentensystem ist nur eine Baustelle im Kampf gegen das Budgetdefizit, und die nächste wartet schon. Ihr Name: Gesundheitssystem.